Beim großen Genießerfest – Terra Madre in Turin

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Letztes Jahr waren Juliana und ich bei Cheese – dem Slow Food Käseevent im piemtontesischen Bra. Dieses Jahr wollten wir gemeinsam nach Turin reisen, um am Terra Madre – dem großen internationalen Slow Foodtreffen teilzunehmen.

Gleichzeitig hatten wir das Glück, dass dieses Jahr das 20jährige Jubiläum von Terra Madre gefeiert wurde. Deshalb fand das Festival schon im September statt und wurde zudem vom Messegelände in das Herz der Stadt geholt.

Wir kommen beide am Donnerstag mittag an und treffen uns in unserer Unterkunft. Dann ziehen wir los und statten zuerst den zentralen Plätzen der Stadt einen Besuch ab. Auf der Piazza Castello sind Infostände von Slow Food und unterschiedlichen italienischen Regionen, gleich daneben reihen sich die Foodtracks aneinander. Im Palazzo Reale finden die Weindegustationen während des Festivals statt – wir werfen zumindest einen Blick in den Innenhof.

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Unser erstes Ziel liegt nämlich auf der Via del Po: die Via del Gelato! Hier wird an zahlreichen Ständen verschiedenste Eissorten angeboten, natürlich mit fairen und nachhaltigen Lebensmitteln. Spannend ist auch, dass es bei vielen Geschmacksrichtungen zwei unterschiedliche Sorten gibt, so z.B. mit zwei unterschiedlichen Arten von Haselnüssen oder Cacao.

Wir gehen weiter bis zur Piazza Vittorio Veneto und zur Ponte Vittorio Emanuele. Direkt am Ufer des Pos sind auch Slow Food Stände aufgebaut. Dann wenden wir ins wieder in Richtung Innenstadt. Auf dem Piazza Valdo Fusi und Piazza San Carlo besuchen wir die Standln unterschiedlicher italienischer Regionen und verkosten handgeschöpfte Schokolade, Käse und Brot.

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Vor der Kulisse der alten Paläste und typisch südlichen Stadthäuser lässt es sich wahrlich gut schlemmen. Im letzten Sonnenlicht suchen Juliana und ich einen der alten Palazzi auf, um den Workshop „50 shades of hot“ zu besuchen.

Eigentlich dachte ich, dass es vor allem um unterschiedliche Chilisorten gehen würde, aber es werden unterschiedliche Lebensmittel vorgestellt und ihre unterschiedliche Schärfe. So finde ich auf dem ersten Verkostungsteller Schinken mit Kren neben dunklem Brot mit Senf und ein Blini mit Ingwer und eingelegten Zwiebeln. Die Kostproben werden dann immer schärfer, nach Nudeln mit Sechuan-Pfeffer und Roastbeef mit Wasabi folgt ein Sojadessert mit karamelisiertem Dinkel, Pico de Gallo (gehackte Tomaten mit  Koriander, Limette und Chili) sowie ein Maischip mit Chilisauce und Schokolade mit Chili.

Dazu gibt es Erklärungen über Schärfe und Schärfegrade sowie der verwendeten Zutaten. Die Scoville-Skala beschreibt die Schärfe und ist nach oben offen. So werden immer schärfere Chilis gezüchtet, die derzeit schärfste hält bei rund 1,5 Mio. Schärfegrade! Am besten bekämpft man Schärfe mit Milchprodukten wie z.B. Joghurt, wobei wir aber lernen, dass auch Alkohol geht. Und retten uns immer wieder mit einem Schluck Bier, das zu den Verkostungstellern gereicht wird.

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Am nächsten Tag brechen wir gleich in der Früh zum Parco Valentino auf. Dort sind noch unzählige italienische Standln und der internationale Bereich. Gleich am Anfang kosten wir eingelegtes Gemüse aus Süditalien. Sehr aromatisch! Wir bewundern Grissini und Lingue, erfahren über regionalen Reis und kosten unterschiedliche Käsesorten sowie Pesti und Saucen. Wir erfahren, dass die spitz zulaufenden Tomaten Piennolo vom Vesuv nur für Saucen verwendet werden. Wir verkosten süße Zwiebeln aus Sizlien. Den Food-Handwerkern ist ihr Stolz anzusehen. Leider kann ich italienisch nur in Ansätzen und viele reden gar nicht gut englisch. Das ist auch bei einigen kleinen Zelten mit Produktpräsentationen und Diskussionen das Problem, nicht alles wird übersetzt, und wir verstehen nur Wortfetzen.

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Irgendwann überlege ich mir, ob es nicht gescheiter wäre, die Standln nach Lebensmittel zu sortieren anstatt nach Regionen und frage ich wie lange mein Magen den dauernden Wechsel zwischen sauer und süß aushält.

Mittags haben wir eine Verkostung im Eataly ein wenig außerhalb. Die Verkostung bringt uns indigenes Essen aus Nagaland näher. Es gibt geräucherten, unglaublich fetten Schweinebauch mit fermentierten Sojabohnen, dazu nahezu geschmacklosen Reis, recht neutrales grünes Gemüse und ein höllenscharfes Chutney. Der Koch, der extra angereist ist, erklärt die Hintergründe und Traditionen seines Volkes. Und wir genießen die fremdartigen Geschmäcker bis wir die Schärfe nicht mehr aushalten.

Nachher decken wir uns in Eataly mit Käse und Brot für das Frühstück ein. Der Laden ist voll mit italienischen Spezialitäten und auch abseits des Terra Madre eine Reise wert.

Retour im Parco Valentino nehmen wir uns den internationalen Bereich vor. Wir bleiben kurz bei den Osteuropäischen Ländern hängen und schauen uns im Österreichischen Hof um. Bei Schweizern probiere ich einen wunderbaren Gin von der Brennerei Humbel, der mit  Zusatz von Salbei und Kirschschnaps verfeinert wird. Ein paar Stände weiter koste ich noch einen Gin aus dem Aostatal, aber der Schweizer ist eindeutig besser. Eingesalzener und trockener Fisch stapelt sich bei den Norwegern. Wir lassen uns die traditionelle Herstellung von Sojasauce erklären, verkosten Sake, Ahornsirup und Schokolade. Wir erfahren, wie Guarana hergestellt wird, bekommen eine Kakaobohne zum Kosten. Ersteres schmeckt ohne Zucker ordentlich grausig, zweitere schmeckt nur außen süß und wird beim Zerbeißen bitter. Ein Highlight sind die lustigen Frauen aus der Karibik, die Passanten ihre durchaus scharfe Chilisauce verkosten lassen und immer auf die Reaktion warten – und sich dann köstlich amüsieren.

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Irgendwann haben wir dann genug und können keine neuen Geschmäcker mehr aufnehmen. Leider, es hätte noch viel mehr zu tun und zu sehen gegeben. So lassen wir uns auf dem Piazza Maria Teresa für einen Aperitif nieder. Als Tagesabschluss gönnen wir uns noch ein Eis der genialen Gelateria Ottimo. Der freundliche Verkäufer lässt uns unzählige Sorten kosten bevor wir uns entscheiden, darunter auch sehr extravagante Sorten wie Tomate, Milch-Kurkuma und Pomelo mit Campari. Ich lande bei „Torino, Tokyo, Springfield“ – Erdnuss, Schoko mit einem Hauch Wasabi – köstlich!

Den Samstag lassen wir langsam angehen und machen uns nach dem Frühstück zur Mole Antonelliana auf. Ein sehr beeindruckender Bau, der Turin überall weithin sichtbar überragt. Im Inneren fährt man mit einem relativ kleinen Aufzug nach oben. Das ganze Gebäude ist innen hohl, die Exponate des Kinomuseums kleben mit einem Steg begehbar an der Wand und der freie Raum ist beeindruckend riesig.

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Dann bummeln wir durch die Innenstadt und bewundern die kilometerlangen Arkaden. Anscheinend wurden die gebaut, damit die Prinzessin bei Regen überall trocken hinkommt. Wir besuchen das alterhrwürdige Cafe Torino und trinken ein Bicerin: Kakao, Kaffee und Schlagobers in Schichten in ein Glas gegossen und schichtenweise getrunken. Umrühren verboten!  Überall in der Stadt begegnet uns das Terra Madre: auf den Plätzen sind kleine farbenfrohe Märkte, in vielen Nebenhöfen Ausstellungen.

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Abends gönnen wir uns in unserer Gasse ein feines italienisches Essen: Panzanella, gebratene Minimelanzani, frittierte Sardinen mit Salmorejo, eine regionale Käseplatte auf Empfehlung des Käsesomeliers Giovanni als Nachspeise. Dazu ein gutes Glas Rotwein. Es ist zudem noch so warm, dass wir mit einem normalen Pullover draußen auf der Gasse sitzen können.

Am Sonntag habe ich noch ein paar Stunden Zeit bevor mein Zug wieder in Richtung Norden fährt. Ich besichtige gleich in der Früh den Glockenturm beim Dom. Als erste Besucherin des Tages werde ich mit dem Turmaufseher unter dem Domplatz durch alte Gänge durchgeführt. Dann bummle ich noch ein wenig durch die Stadt. Als Abschied gönne ich mir noch ein Eis von Ottimo: Capra aggresiva und Fondente Torino! Das Ziegeneis ist sehr speziell, aber der perfekte kulinarische Abschluss. Noch schnell an der Synagoge vorbei, dann geht’s heimwärts – mit schönen Erinnerungen und einigen Leckereien im Gepäck.

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