Guadeloupe – unter Wasserfällen und an türkisen Stränden

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Nach der Besteigung der Soufrière und dem letzten Sonnenuntergang im Süden von Basse Terre fahren wir nach Norden, um in der Nähe von Sainte Rose das Quartier für die zweite Urlaubswoche zu beziehen. Wir sind auf der gleichen Insel, aber doch ist vieles anders: das Land ist flacher, die Strände hell, das Meer leuchtet türkis. 

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Zuerst sind wir ein wenig enttäuscht, zu schön war unser hellblaues Haus bei Vieux-Habitants. Aber bald gewöhnen wir uns an unsere neue Umgebung und begeben uns auf Entdeckungstour.

Unser erster Tag führt uns gleich nach Grande-Terre: der östliche Teil von Guadeloupe ist flach, da er aus einem alten Korallenriff hervorgegangen ist. Wir nehmen uns die Westküste vor und machen uns auf den Weg.

Das erste Ziel ist Vieux-Bourg. Wir parken bei der Kirche, darauf bedacht, den Parkplatz für den Priester nicht zu verstellen. Auf dem Rundgang durch den Friedhof bewundern wir die kleinen Grabhäuschen, viele davon in schwarz-weiß gekachelt. Dann gehen wir in den Ort hinunter. Junge Männer sitzen auf den Stufen vor einem kleinem Geschäft im Schatten und plaudern. Wir drehen eine Runde zwischen den alten Häusern. Schon jetzt kurz vor Mittag ist es brütend heiß.

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Nächstes Ziel ist Petit-Canal und ja, der Kanal ist wirklich klein. Dafür gibt es an der Spitze einen attraktiven Leuchtturm, der auf Basse-Terre und die Berge gegenüber schaut.

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Weiter nördlich machen wir halt in Port-Louis. Inzwischen ist es Mitte Nachmittag und in der Sonne kaum auszuhalten. Es fühlt sich an, als ob man direkt unter dem Grill eines Backofens stehen würde. Dementsprechend ist außer einigen Touristen fast niemand draußen unterwegs. Wobei wir noch die Touristen bewundern, die bei der Hitze warm und ausgiebig am Hafen zu Mittag schlemmen.

Aber es gibt Pelikane am Strand von Port-Louis. Sie drehen ihre Runden über dem Wasser, verlangsamen denn den Flug, scheinen in der Luft zu stoppen, um sich dann senkrecht ins Wasser zu stürzen und sich ihren Nachmittagssnack zu fangen. Wir können uns von dem Schauspiel gar nicht satt sehen, wie die großen schlaksigen Vögel sich wieder und wieder senkrecht ins Wasser stürzen. Inzwischen stehen wir aber im Schatten des dortigen Leuchtturmes, um nicht zu verglühen.

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Wir fahren weiter ans „Nordkap“ der Insel, den Pointe de la Grande Vigie. Auf den Felsen laufen wir ganz bis vorne, im Osten breitet sich vor uns eine Küste fast wie in der Bretagne aus.

Da ich noch für eine Abkühlung ins Meer hüpfen will, fahren wir in Richtung Anse Maurice weiter. Am Weg befindet sich Mahaudière – eine alte Distillerie und Zuckerrohrplantage. Heute sind die Anlagen verfallen und werden langsam von Pflanzen überwuchert, dazwischen grasen Kühe. Als wir durch die Ruinen streifen, fackelt ein Einheimischer riesige Haufen an Ästen ab, anscheinend um Holzkohle zu gewinnen. Die Flammen züngeln in den Himmel neben den alten Fabriksruinen und geben ein skuriles Bild ab.

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In der Anse Maurice erwische ich gerade noch die letzten Sonnenstrahlen zum Baden, jedoch ist die Strömung stärker als vermutet und ich schneide mich zudem an einem spitzen Kalkstein unter Wasser, den ich einfach nicht gesehen hatte. Mit diesen Stränden ist doch nicht ganz zu spaßen.

Was wir auch immer wieder beobachten, sind zahlreiche Standln am Straßenrand, wobei nicht immer gleich zu durchschauen ist, was dort genau verkauft wird. Einmal kaufen wir Kokosnusswasser, das in große Flaschen abgefüllt wird. Es gibt Wassermelonen und Bananen, Standln mit Rummixgetränken und Cocossorbet, Griller aus alten Fässern, wo unzählige Hühnerteile vor sich hinschmoren. Manchmal sitzen aber auch Frauen mit großen Töpfen am Strassenrand, um Selbstgekochtes zu verkaufen. Leider können wir nicht immer überall stehen bleiben und nachgucken, was es heute grad gibt…

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Wir beschließen für den nächsten Tag gleich wieder einen Besuch auf Grande-Terre, unser Ziel ist diesmal die Hauptstadt von Guadeloupe: Pointe-à-Pitre. Wir finden einen Parkplatz nördlich vom Stadtzentrum und wandern in Richtung Hafen. In Pointe-à-Pitre gibt es noch zahlreiche Häuser aus der Kolonialzeit, zudem viele Holzhäuser, pastellfarben gestrichen, mit schmiedeeisernen Balkonen.

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Die Kathedrale strömt einen ganz besonderen Flair aus mit den für die Insel typischen Fensterläden und den Säulen aus Eisen. Es mutet an, als habe Gustav Eiffel den Entwurf gemacht, aber im Hinblick auf die Notwendigkeit, dass die Gebäude auch Zykone überstehen sollten, macht die Konstruktion Sinn.

Mich interessieren natürlich vor allem die Märkte der Stadt. Zuerst besuchen wir den Marché aux Épices. Aber von diesem sind wir recht enttäuscht: die Händler haben alle die selben Waren und scheinen sich bei dem selben Großhändler einzudecken. Alles wirkt ein wenig aufgesetzt und unecht. Dafür wird recht aufdringlich und unangenehm für die Waren geworben.

Auf dem Marché de la Darse am Hafen fühlen wir uns wohler: hier trifft man auch Einheimische, zudem findet man am nahen Hafen einige Fischer, die ihren Fang anbieten. Die Obsthändlerin bietet sogar Kakaofrüchte an und will auch unbedingt aufs Bild. Die Gemüsehändler sind enttäuscht, dass wir nicht gleich für eine Großfamilie einkaufen. Pelikane warten am Hafen auf Überreste von Fischen. Lustig finden wir auch, dass es einerseits Fischverkäufer und andererseits Fischputzer gibt: man kauft den Fisch und lässt ihn dann beim „Fachmann“ entschuppen und ausnehmen.

Von einem Wagen, der frisch gepressten Zuckerrohrsirup verkauft, schnorre ich ein Stückchen Zuckerrohr, um es so zu knabbern, wie es viele Einheimische tun. Zwischen den borstigen Fasern kann man gut den süßen Saft heraussaugen, aber es bleibt doch einiges an holzigem Rest über.

Insgesamt sind die Menschen sehr freundlich, fotografieren ist kein Problem und alle beantworten geduldigst unsere Fragen.

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Ein paar Kilometer weiter machen wir in Gosier halt, um zur Île de Gosier mit ihrem Leuchtturm hinüberzusehen. Eigentlich kann man auch rüberschwimmen, aber wir sind zu faul und begnügen uns, die Menschen zu beobachten und Fotos zu machen. In Gosier gibt es auch richtig viele Hotels und Unterkünfte, und wir beginnen zu ahnen, wo die vielen Touristen aus dem Flugzeug ihren Urlaub verbringen.

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Am zweiten Tag sind wir auch schlauer: wir passen uns an und verbringen die heiße Nachmittagszeit mit einer ausgiebigen Siesta, um erst gegen Abend und zum Sonnenuntergang noch auf der Anse des Îles das Farbenspiel des letzten Tageslichtes zu bewundern.

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Wir machen im Norden auch Wanderungen. Dazu starten wir früh genug, um vor der großen Hitze in den Urwald einzutauchen. Eine Wanderung führt uns in die Bois Banane. Nur über den GPS-Track finden wir den Weg durch den dichten Regenwald. Zum Schluss geht es einen steilen Abhang hinunter, wir folgen unten dem Fluss aufwärts und finden Mitten im Wald und nur für uns alleine einen wunderschönen Wasserfall – ein magischer Ort! Im Wasser kühlen wir uns ab und trotz der tropischen Temperaturen ist das Wasser erstaunlich frisch.

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An einem anderen Tag fahren wir die Westküste hinunter und in Richtung Nationalpark. Auf dem Weg legen wir einen kurzen Stopp an der Grande Anse ein, einem der schönsten Strände dieses Abschnittes. Ich mag aber auch die Bucht von Deshaies sehr gerne. Die Häuser sind direkt am Wasser gebaut, die engen Gassen davor säumen kleine sympathische Holzhäuser. Pelikane haben sich auf dem Wasser zur Rast versammelt.

Weiter südlich machen wir einen kurzen Abstecher zum Saut de l’Acomat. Nur ein kurzer, steiler und steiniger Weg führt von der Strasse zum Wasserfall mit seinem türkisen Becken.

Auf der Route de Traversée gibt es ein Nationalparkhaus und einen Rundgang durch den Regenwald. Dort bewundern wir abermals die wuchernden Pflanzen und können sogar auf Lianen schaukeln.

In Pointe-Noire kehren wir in der Patisserie „la Réberdière“ ein, die dafür bekannt ist, dass sie tropische Früchte in ihren Backwaren verwenden. Genial ist ein Tartelette mit Kokoscreme, aber auch die Blätterteigtaschen mit Guavencreme lassen wir uns schmecken.

Was ihr euch vielleicht fragt: nein, es gibt keine giftigen Schlangen und sonstiges gefährliches Getier auf Guadeloupe. Schon immer war die Insel arm an Tiervielfalt, am meisten gibt es noch Vögel. Und die Besiedlung des Menschen hat dann noch den Rest getan. Am „gefährlichsten“ sind noch diverse Mosquitos. Daneben gibt es noch ein paar Exoten wie Leguane und Waschbären. Und that’s it!

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Nach einer unserer Wanderungen kommen wir bei einer aufgelassenen Rum-Distillerie vorbei, wo man aber durch Seitentüren in die alten Werkshallen gelangen kann. Fasziniert machen wir zahlreiche Fotos von dem verfallenden Gebäude. Die Eisentreppen fast durchgerostet, die riesigen Hallen mit Lianen bewachsen. Lange wandern wir herum und können uns gar nicht richtig losreißen.

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Einen Abend brechen wir von unserer Unterkunft an die Pointe Allègre, den nördlichsten Punkt von Basse-Terre, auf. Direkt über unseren „Hausstrand“ wandern wir im Abendlicht und inzwischen bei angenehmen Temperaturen an den vom Wind umtosten Punkt.

Auf dem Weg kommen wir an Kuhweiden vorbei, wo die Kühe teilweise angebunden sind, teilweise frei herumlaufen. Mit ihren spitzen Hörnern flößen sie uns Respekt ein, und wir halten lieber Abstand. Die Kühe auf Guadeloupe sind fast ausschließlich Fleischkühe, Milch und Milchprodukte werden zu 100% von Frankreich eingeflogen.

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Die letzten beiden Tage gehen wir noch schnorcheln. Direkt an der Plage de Malendure gibt es im Réserve Cousteau eine wunderbare Möglichkeit direkt vom Strand aus. Viele gehen dort auch tauchen, aber wir wollen nur ein wenig im nicht allzu tiefen Wasser herumpaddeln. Und tauchen bald darauf in eine ganz andere Welt ein: schnell gehen die Felsen nach dem Strand in große mit Korallen bewachsenen Felsen über, wo sich unterschiedlichste Fische tummeln: blaue, gelbe, rote, schimmernde, runde,… Ich komme zur Ruhe, lasse mich dahintreiben und nehme diese so ganz andere Welt in mir auf.

Und am letzten Tag schnorcheln wir in der Petite Anse und wieder genieße ich die farbenprächtigen Korallen und Fisch unter Wasser.

Dort haben wir zudem eine andere Begegnung. Als wir am Strand sitzen und uns wieder aufwärmen, raschelt es auf einmal im Wald am Rand vom Strand, ein Tier schießt den Abhang hinunter und bleibt dann zwischen den Ästen sitzen. Es ist ein Leguan, ein ziemlich großer Leguan, finde ich. Inklusive seinem geringelten Schwanz ist er sicher über einen Meter lang. Wir beobachten ihn lange und André macht Fotos mit seinem Tele, die er mir für meinen Blog zu Verfügung gestellt hat.

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Den letzten Sonnenuntergang auf Guadeloupe schauen wir auf der Plage de la Perle an. Schon lange vor Sonnenuntergang sind wir dort, sitzen noch am Strand und trinken ein Bier. Wir hören den brechenden Wellen zu, sehen abermals die Sonne im Meer versinken. Wie Scherenschnitte heben sich die Palmen vor dem letzten Tageslicht ab. Was für ein herrliches Schauspiel!

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Am Tag der Abreise – die Koffer stehen schon fertig gepackt in der Unterkunft – machen wir uns nochmal per Küstenwanderweg zur Plage des Amendiers auf. Ein letztes Mal lassen wir uns den tropischen Wind um die Nase wehen, genießen die Ausblicke auf das türkise Meer und die hellen Strände. Wir machen unzählige Fotos von Palmen und bewundern ihre Schatten im Sand.

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Voll mit so vielen neuen Eindrücken komme ich wieder zu Hause an. Und ruhig, geerdet, zufrieden. Die Einfachheit dort, die Ruhe in der Natur, die tropische Sonne, das türkise Meer, der Vulkan – alles wirkt noch lange nach und zaubert beim Gedanken daran immer noch ein Lächeln auf meine Lippen.

2 Kommentare

  • Juliana 28. März 2017 um 11:52

    Einfach herrlich!

    Antwort
  • Olga 29. März 2017 um 18:53

    Die Fotos machen Lust auf einen persönlichen Besuch dieser paradiesischen Insel!

    Antwort

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