Winterreise nach Karlstad und zum Vänernsee

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Das Herbsttreffen der Europäischen Grünen war diesmal in Schweden, genauer gesagt mitten im Nirgendwo nämlich in Karlstad gleich beim riesigen Vänernsee. Skandinavien ist ja immer eine Reise wert, auch wenn es Ende November schon sehr kalt sein kann und die Sonne fahl und tief am Himmel hängt. Also hab ich einen Tag drangehängt und mich ein wenig umgesehen.

Ich komme in Schweden an und es ist, als würde es keine Farben mehr geben. Die Rollbahn des Flughafens ist voller Schnee, der noch immer waagrecht aus allen Richtungen dahergeblasen wird. Am Himmel hängen dicke Wolken und tauchen die farblose Landschaft in ein fahles Licht.

Der Flughafen von Karlstad ist noch kleiner als unser Provinzflughafen in Innsbruck. Ich schaue mich nach dem Bus um, den ich per Internet reserviert habe. Und finde einen Taxifahrer, der ein Schild mit „Alexandra“ drauf hoch hält. Wenn kein Bus verfügbar ist, dann schickt die Busgesellschaft die Taxifahrer zum Flughafen, um die Gäste abzuholen. Nach der kurzen Fahrt zum Bahnhof Karlstad zahle ich dann auch nur den Bustarif – den Rest legt die Busgesellschaft drauf.

Immer noch fegt der Schnee durch die Strassen. Schnell stelle ich meinen Koffer im Hotel ab und mache mich wieder auf den Weg. Die Tage sind kurz in Schweden zu dieser Jahreszeit.

Ich gehe zum Prånkanal hinüber, aber das kleine Café Slusswakten hat wohl nur in der warmem Jahreszeit regelmässig geöffnet. Das kleine Haus wirkt wie im Winterschlaf, die Tische im Garten sind mit Schnee bedeckt.

Dann wende ich mich wieder der Stadt zu. Die Domkyrkan liegt auf einem kleinen Hügel. Aus dem Schneesturm trete ich in die Wärme der Kirche ein und schaue mich um. Sie erinnert mich an ähnliche Kirchen auf unserer Winterreise nach Norden. Sie ist schlicht, aber irgendwie einladend und hell. An der Decke hängen Segelschiffe.

Ich gehe weiter zum Fluss Klarälven hinüber. Die Stadt scheint kein altes Zentrum zu haben, die Strassen ähneln breiten Boulevards, die Häuser sind gesichtslose Backsteinbauten mit 2 Stockwerken und voller Shoppingzentren mit noch gesichtsloseren Shops. 1865 ist die ganze Stadt bei einem Brand zerstört worden, nachher hat man wohl die Stadt symmetrisch und in großen Häuserblöcken wieder aufgebaut.

Nach Norden folge ich dem Fluss zum Värmlandsmuseum und dort, wo die Halbinseln, die die Innenstadt trägt, endet. Hier ist der Schneesturm noch stärker, kleine Eisstücke treiben im Fluss.

In mir reift der Entschluss, irgendwo auf einen Kaffee einzukehren und mich ordentlich aufzuwärmen. Das Café im Museum wirkt verlassen, so entscheide ich mit für die Swenströmskas Stenugnsbageri nicht weit von dort.

Im Café gibt es nicht nur Süsses wie Zimtschnecken, Danish Pastries und Minitörtchen, sondern auch frisches Brot. Ich entscheide mich für eine Mini-Princesstarta, dazu gibt es – ganz nach schwedischer Art – Kaffee und Wasser zum selber Nehmen, aber auch soviel ich will. In einem alten Ohrensessel sitze ich in einem Eck des Cafés, beobachte die anderen Gäste und genieße meine Einsamkeit.

Als ich aus dem Café trete, ist es dunkel, der Schnee ist in Regen übergegangen und verwandelt den Schneebelag auf den Gehsteigen in Matsch. Ich gehe kreuz und quer durch die Innenstadt, schaue in Geschäften herum und bummle durch Einkaufszentren. Die Geschäftsstruktur ist irgendwie eigenartig, die Kleidungsgeschäfte wirken lieblos, nur die Geschäfte mit skandinavischem Geschirr und Küchenutensilien können mich begeistern.

Für abends reserviere ich einen Tisch im Br. Olssons Elektriska. Alleine essen gehen ist immer wieder eine Herausfordrung. Die anderen Gäste kann ich nur beobachten, aber nicht verstehen.

Als Gedeck wird Knäckebrot gereicht, ganz nach meinem Geschmack. Dazu bestelle ich ein Bier und mit Frischkäse gefüllte scharfe Paprika zum Beginn. Als Hauptspeise wähle ich den Herstblichen Seesaibling mit Karottenpüree, geröstetem Wurzelgemüse, fritiertem Spinat, einer cremigen leicht zitronigen Sauce und ein wenig Forellenkkaviar oben drauf. Und bereue meine Auswahl nicht.

Am nächsten Morgen hat der Regen aufgehört, aber die Wolken hängen tief am Himmel und es bläst ein kräftiger und eisiger Wind. Ich nehme einen Regionalbus nach Hammarö, genauer gesagt nach Skoghall. Der Bus nimmt nicht den direktesten Weg, so komme ich noch zu ein bisschen Sightseeing in den Vororten. Ausserhalb der eher charmefreien Innenstadt wird Karlstad gleich heimeliger mit bunten Schwedenhäuschen, Wasserflächen und viel Grün.

In Skoghall angekommen, wende ich mich zum Vänern, dem grossen See. Dort führt ein Holzsteg am Ufer entlang nach Westen. Der Wind ist immer noch stark und peitscht das Wasser in heftig spritzenden Wellen ans Ufer. Wüsste man nicht, dass es ein Binnensee ist, könnte man die riesige Wasserfläche auch für das Meer halten. Das Ufer gegenüber ist nicht zu sehen, weit draussen stehen Windräder.

Kurz zeigt sich die Sonne unter den Wolken und taucht alles in ein rötlich-oranges Licht. In dem Moment weiss ich wieder, warum ich Skandinavien im Winter trotz Kälte so mag: dieses Licht ist einfach einzigartig. Lange bin ich am Ufer des Sees, schaue den Wellen zu und hänge meinen Gedanken nach.

Danach gehe ich dorthin, warum ich eigentlich nach Skoghall gekommen bin: in die Fischräucherei von Lillängshamnen. Der Hafen wirkt verlassen, nur vereinzelte Boote sind noch im Hafen und lassen die Anlegestege wie Gräten eines Fisches erscheinen.

Schon von weitem riecht man, dass die Räucherei in Betrieb ist. Auf der Rückseite des flachen Gebäudes trete ich in das kleine Verkaufslokal.

Auf meine viele Fragen hin holt die Verkäuferin den Chef, der mir ein wenig etwas über den Betrieb erzählt. Aus dem See werden die Fische von April bis August gefischt, derzeit wird nur Kaviar „geerntet“. Für die Räucherei wird Fisch zugekauft, entweder aus dem Vänern, aber auch von weiter her aus dem Meer. Aus dem See gibt es Lachs, Hecht, Barsch, Zander, Saibling, Forellen und Trüschen. Der Fisch wird heiß oder kalt geräuchert oder frisch verkauft, zudem wird die Gastronomie beliefert. Die Räucherei betreibt also nicht selber Fischfang sondern kauft Fische, die hier verarbeitet werden. Zu den Fischen werde es zahlreiche Saucen angeboten. Ich nehme zwei Sorten Lachs und Makrele mit Pfeffer mit – alles sehr fein!

Auf einer kleine Halbinsel beim Hafen stehen ein paar Ferienhäuschen im typischen Schwedenstil. Eine zeitlang streune ich dort herum, entdecke Boote an Ministränden zwischen Schilf und winterfest gemachte Kajaks.

Danach mache ich mich wieder auf den Weg nach Karlstad zurück. Inzwischen hat auch der Regen wieder eingesetzt. So bringe ich meine Einkäufe in mein Hotel und mache mich auf zu Löfbergs – der Kaffeerösterei.

Das Hochhaus, wo die Rösterei ihren Firmensitz hat, liegt an einem der vielen Kanäle, die vom Vänern bis in die Stadt ziehen. Das Gebiet rundherum wirkt mit seinen modernen Hochhäusern ein wenig steril. Im Erdgeschoss der Kaffeerösterei gibt es ein Kaffee, wo man den frischen gerösteten Kaffee serviert bekommt und ab und zu auch verkosten kann. Hier wird der Kaffee auch mit einer Siebträgermaschine oder im French Press zubereitet und nicht als für Skandinavien so typischen Filterkaffee. Zum Kaffee gibt’s süße oder herzhafte Kleinigkeiten. Ich sitze lange dort bei meinem Cappucchino und Punschbällchen und blättere in einem Buch über Värmlands Küche.

Am nächsten Morgen ist der Himmel fast wolkenlos. Die Sonne geht hier erst um 8.15 auf, kurz später mache ich mich schon auf den Weg. Es ist zwar schon hell, aber noch immer eindeutig Sonneaufgangsstimmung, das Licht ist noch sehr fahl.

Im Almenviertel direkt am Fluss gibt es noch ein Viertel, wo alte Holzhäuser stehen. Über die Brücke gehe ich in das nördliche Viertel Klara und dort wieder am Ufer zurück. Dort an der Brücke steht auch das Theater und man hat einen schönen Blick auf die alten Holzhäuser gegenüber. Noch einmal wende ich mich zum Värmlandmuseum, dessen Gelände ohne Schnee und mit Sonne nun ganz anders wirkt als vor zwei Tagen. Diesmal kehre ich im Café auf eine Zimtschnecke ein. Wer in Karlstad ein nettes Mitbringsel sucht, kann hier im Museumsshop sein Glück versuchen, sonst ist das Angebot eher spärlich.

 

Weiter gehe ich über die Brücke in Richtung Norden zum Sundstatjärn. Dort gibt es sogar einen Strand, der natürlich zu dieser Jahreszeit verlassen liegt. Der See ist teilweise zugefroren, das braune Schilf wiegt sich im leichten Wind, die Enten ziehen ihre Runden.

Zum Schluss besichtige ich noch das Wahrzeichen von Karlstad – die alte Steinbrücke – die eine der längsten Steinbrücke Schwedens ist. Von der Nachbarbrücke hat man einen herrlichen Blick auf die in die Wintersonne getauchte Brücke. Dann ist es Zeit für mich, meinen Pflichten nachzukommen und gehe ins Konferenzzentrum zu meiner ersten Besprechung.

 

Gesammelte Adressen:

2 Kommentare

  • Juliana 4. Dezember 2017 um 9:35

    Du hast in dieser eher grauen Stadt doch sehr schöne Bilder machen können. Die Holzhäuser und der See sind so wie man sich Schweden vorstellt!

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    • alex 4. Dezember 2017 um 9:47

      ich fand den schneesturm auch sehr nett! und ja, die gegend am see ist so typisch schweden!

      Antwort

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