Bologna – La Dotta, la Grassa, la Rossa

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Jedes Jahr fahren Juliana von Capturing the Seasons und ich ein langes Wochenende in eine Stadt oder Region, die kulinarisch spannend ist. Diesmal ist unsere Wahl auf Bologna gefallen – und ich war einigermassen positiv überrascht.

Die drei Beinamen für Bologna – la Dotta für die StudentInnenstadt, la Grassa für die vielen kulinarischen Leckereien und la Rossa für die rosa-rot-orange gehaltenen Häuser treffen das Flair der Stadt sehr gut. Wuselig ist es in der Stadt, vor allem viele junge Leute sind unterwegs und sitzen auf den Plätzen. Die roten Häuser vermitteln eine Stimmung von Süditalien und die kulinarischen Geheimnisse werden wir nach und nach erkunden.

Wir sind so neugierig, dass wir uns gleich nach unserer Ankunft zu einer Stadterkundung aufmachen. Aus der Wohnung raus, links abbiegen und sofort finden wir uns unter den Arkaden wieder. Und sie sind wirklich überall, in unterschiedlichen Stilen, manchmal schäbig, manchmal mondän.

Wir durchqueren die engen Gassen des ehemaligen jüdischen Viertels und stehen plötzlich vor den beiden Türmen im Zentrum der Stadt: Torre Garisenda, kleiner dafür deutlich schief, Torre Asinelli, riesig mit seinen fast 100 Metern und ein wenig gerader.

In Bologna hat es im Mittelalter anscheinend bis zu 180 solcher Türme gegeben, später wurden die meisten rückgebaut bzw. abgetragen. Rund 60 gibt es heute noch in der Stadt verteilt.

Wir halten uns links und kommen zu einem dreieckigen Platz – gegenüber die „sieben“ Kirchen von St Stefano, von denen noch vier Kirchen und zwei Kreuzgänge erhalten sind. Die ursprüngliche Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert.

Vor allem die Rundkirche finde ich sehr beeindruckend, aber auch die Kreuzgänge sind grossartig. Ich mag diese alten schlichten Kirchen lieber als die überladenen barocken, die es auch in Bologna gibt.

Durch die engen Gasses des Quadrilatero – des alten Marktviertels – gehen wir zum Hauptplatz, dem Piazza Maggiore hinüber. Und kehren dort bei Signor Vino auf einen Aperitivo ein: wir bestellen einen Moscato Dili, ein natural Prosecco aus Venetien, dazu eine Portion Parmesan und eine Il Plin, ein kleiner runder Weichkäse. Wir schauen auf die nur halb fertig gestellte Kirche und geniessen den frühen Abend.

Später gehen wir zum Essen ins Va Mo Là – hier soll es Balanzone geben – spezielle mit Mortadella gefüllte Nudeln, immer in grün. Zudem ist das Lokal in einer ehemaligen Buchhandlung untergebracht. Sehr empfehlenswert!

Für den nächsten Tag haben wir eine Foodtour bei TasteBologna gebucht. Unsere erste Station führt uns ins Aroma Café, wo ich einen Espresso aus 100% Arabicabohnen aus Costa Rica probiere. Alessandro, der Chef und Barista, ist regelmäßig bei Baristawettbewerben und dort auch sehr erfolgreich – einer der besten Barista Italiens! Zum Kosten bekommen wir zudem ein Stück Panettone, den typischen fluffigen Weihnachtskuchen der Italiener.

Nächste Station ist der Mercado delle Erbe. An den Ständen gibt es die typischen Herbst- und Wintergemüsesorten: Cavolo Nero, Trevisiano, Kürbis und Cicorien.

An einem Stand kosten wir ein Löffelchen echten Balsamicoessig, der mindestens durch 5 Fässer gegangen ist und 10 Jahre gelagert hat. Ein Minifläschchen ist ab 50€ zu haben. Der Essig ist süsslich-mild mit deutlichen Fassaromen. Er wird auch nur zum Veredeln von Speisen verwendet und nicht für Salatsaucen.

Bei Le Sfogline (=ital.Teig) sehen wir, wie die Frauen blitzschnell ein Tortellini nach dem anderen fabrizieren. Genau werden die Arbeitsschritte erklärt, und ich schwöre mir, die mal mit der Originalfülle nachzumachen.

Dann überqueren wir den Hauptplatz und gehen ins Quadrilatero, das alte Marktviertel, das immer noch voller Spezialitätengeschäfte ist.

Im Mercato di Mezze verkosten wir Ragù – die typische bologneser Fleischsauce auf frischem Brot. Die Originalsauce wird mindestens vier Stunden gekocht, besteht aus Rindfleisch, ein bisschen Pancetta und Gemüse, aber auf keinen Fall Tomaten wie bei uns so oft üblich.

Wir kaufen für das Mittagessen im Feinkostladen Simoni ein: Proschiutto, Mortadella, Salame Rossa (die Vorläuferin der Mortadella), Parmesan und Squacquerone, ein Käse, der genauso weich ist wie sein Name klingt. Dann wandern wir in die älteste Osteria von Bologna – die Osteria del Sole, wo man nur Wein bekommt und sein Essen selber mitbringt. Irgendwie ein lustiges Konzept, aber wirklich – mittags treffen sich hier die unterschiedlichsten Menschen zum Lunch.

Wir breiten unsere mitgebrachten Schätze aus und bestellen eine Flasche Pignoletto dazu, den regionalen spritzigen Weisswein. Als Nachspeise gibt es Reiskuchen, der aber recht klebrig und süss daherkommt.

Zu guter Letzt kehren wir in der Cremeria Santo Stefano, dem besten Eisgeschäft von Bologna, auf ein Eis ein. In Minischüsselchen können wir mehrere Sorten kosten: süsse und salzige Pistazie, Mascarpone-Gianduja, eine mit Orangenwasser, Zitrone und vieles mehr.

Damit endet die Foodtour, und wir streifen wieder alleine durch die Stadt. Als nächstes besuchen wir die alte Uni und das Anatomietheater. Das Gebäude ist reich mit Wappen der ehemaligen Professoren und Uniabsolventen geschmückt, schon der Innenhof ist grossartig und die Bemalungen ziehen sich die Gänge hinauf. Das Anatomietheater mit den vielen geschnitzten Figuren wird in der Mitte durch den marmorenen Seziertisch dominiert.

Dann besichtigen wir noch die Kirche am Piazza Maggiore und kehren dann auf einen Kaffee in Le Stanze ein, wo eine ehemalige Kapelle zu einer Bar umgebaut wurde.

Für den frühen Abend haben wir Tickets für den Torre Asinelli reserviert und steigen die Stufen in fast 100m Höhe hinauf. Immer glauben wir, wir sind angekommen, aber dann ist noch eine Zwischenebene und anschliessend setzen sich die endlosen abgenutzten Holztreppen fort.

Von oben hat man einen wunderbaren Blick über die Stadt bis zur Kirche San Luca hinüber. Die Abendsonne hat sich einen Spalt unter den Wolken freigekämpft und bildet am Horizont eine grellorange Kulisse.

Der Torre Garisenda neben uns wirkt richtiggehend klein und die Linienbusse fahren spielzeugklein über die Piazza di Porta Ravegnana am Fusse des Turmes. Ich versuche in Städten ja immer auf Aussichtspunkte zu gelangen, aber so hoch, so spektakulär waren sie selten.

Am nächsten Tag brechen wir nach San Luca auf. In der Via Saragozza fädeln wir die Arkaden ein, die uns bis zur Kirche hinaufführen. 666 sind es gesamt und machen den Stadtspaziergang zu etwas besonderem. Sogar bei der Querung der Strasse auf den Berg hinauf wurden die Arkaden nicht unterbrochen. Samstag früh ist ganz schön was los – LäuferInnen, Familien und TouristInnen nutzen die herbstlichen Sonnenstrahlen für einen Ausflug.

An der Kirche selber sind wir ein wenig enttäuscht, so gibt es leider keine Aussichtsplattform oder ähnliches. Dafür sind wir gut geschwitzt und ein strenger Wind bläst über den Hügel.

Wir machen uns wieder auf den Rückweg in die Stadt. Einen Besuch statten wir noch der Stadtbibliothek ab, die in der ehemaligen Börse angesiedelt ist. Spannend sind auch die Ausgrabungen aus der Römerzeit und Mittelalter, die im Untergeschoss freigelegt wurden.

Nach einer Rast zu Hause gehen wir am frühen Abend in die Osteria dell‘Orsa zum Abendessen. Als Vorspeise teilen wir uns ein Crostini mit Taleggio, Honig und Nüssen, dann gibt’s Ravioli mit Kartoffelfülle auf Lauch-Schwammerlsauce. Die Nudeln sind köstlich wie überall in Bologna. Das ganze wird mit einem Pignoletto begossen.

Auf dem Heimweg machen wir noch ein paar Fotos der Arkaden bei Nacht, fast an jeder Ecke ergeben sich andere und immer wieder spannende Ausblicke.

Dann ist unser Wochenende auch schon wieder vorbei. Es bleibt nur noch Zeit für eine kleine Runde durch die Stadt und einen letzten Capuccino bevor mich der Zug wieder ins nördliche Innsbruck bringt.

 

Foodadressen Bologna:

  • Signor Vino, Piazza Maggiore 1: Weinbar, Aperitiv mit Blick auf den Dom
  • Le Stanze, Via del Borgo di San Pietro, 1: Bar in einer alten Kapelle, auch Aperitiv und Kaffee
  • Osteria del Sole, Vicolo Ranocchi 1/D: älteste Osteria der Stadt, nur Wein, das Essen muss man selber mitbringen
  • Va Mo Là, Via Delle Moline, 3/A: Typische Trattoria in einer alten Buchhandlung
  • Osteria dell’Orsa, Via Mentana 1: Typische Trattoria mit super Crostinis und Pasta, gut und günstig!
  • Aroma Café, Via Portanova 12/b: Bester Kaffee der Stadt, Alessandro ist mehrfach ausgezeichneter Barista
  • Mercato delle Erbe, Via Ugo Bassi 23: alte Markthalle mit Marktständen und Restaurant Altro?
  • Mercato di Mezze, Via Clavature 12: früher Markt, heute Foodcourt mit allerlei Imbissen
  • Le Sfogline, Via Belvedere 7b: Pastamanufaktur
  • Sfoglia Rina, Via Castiglione 5/B: Pastamanufaktur, aber man kann auch im Geschäft essen
  • Ceccarelli Amedeo, Via Pescherie Vecchie 8/a: Frische Tortellini und Tortelloni in allerlei Sorte, aber auch Käse und Schinken
  • Simoni, Via Pescherie Vecchie 3/B: traditioneller Delikatessladen
  • Tamburini, Via Caprarie 1: traditioneller Delikatessladen, aber auch Aperitivo
  • Cremeria Santo Stefano, Via Santo Stefano, 72: bestes Eisgeschäft der Stadt mit vielen ausgefallenen Sorten, Familienbetrieb
  • La Borbonica, Via Riva di Reno 110: Paticceria mit einer grossen Auswahl an leckeren Törtchen

 

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