Der König der Leuchttürme – Cordouan oder wenn Träume wahr werden

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In diesem Urlaub haben wir es endlich, endlich geschafft, Cordouan zu besuchen. Ein Wahrzeichen Frankreichs, ein alter Leuchtturm in der Mündung der Gironde, nord-westlich von Bordeaux. Der Leuchtturm wird auch „König der Leuchttürme“ genannt, obwohl „Leuchtturm der Könige“ korrekter wäre. Lasst euch mitnehmen an einen magischen Ort im Atlantik…

So richtig liegt Bordeaux und die Mündung der Gironde nie auf unseren Reiserouten. Diesmal waren wir wieder in der Nähe, umso mehr bestand ich darauf, einen Ausflug zu einem der ältesten Leuchttürme Frankreichs im Voraus zu buchen. Denn das vorige Mal bekamen wir keinen Platz mehr auf dem Boot. Ja, der Leuchtturm ist nur mit dem Boot zu erreichen, er liegt rund 5km vor der Küste. Die Ausflugsboote fahren jeden Tag zu einer anderen Zeit und sind mit den Gezeiten abgestimmt. Der Leuchtturm selber liegt auf einer kleinen Kalkscholle vor der Mündung der Gironde. Rundherum hat sich eine Sandbank gebildet, die sich aber auch immer wieder verändert. Angelandet werden kann somit nur bei Ebbe und auf der Sandbank davor.

Unser kleines Boot verlässt Port Medoc und fährt die Girondemündung hinaus in Richtung offenes Meer. Verdon sur Mer und der Pointe Saint Nicolas werden immer kleiner. Langsam taucht der Phare Cordouan aus dem Dunst auf. Zuerst ganz klein, wird er schnell größer. Als wir ankommen, steht er hinter einer Sandbank, daneben zieht sich eine weitere Sandbank in Richtung Osten. Vom Schiff steigen wir in ein Amphibienfahrzeug um, das uns am Strand aussetzt. Von dort gehen wir über den Sand und durch felsiges und mit Algen bewachsenes Terrain zum alten Zufahrsweg aus Sandstein, der sich vom Leuchtturm ins Meer zieht.

Wer die Tour selber einmal machen will, sollte Schuhe mitnehmen, mit denen er im Salzwasser gehen kann. Denn man wird zwar im Trockenen abgesetzt, aber muss dann nach der Sandbank über die Kalkscholle, wo die Felsen mit knietiefen Wasserlöchern durchsetzt sind. Einige Besucherinnen gehen barfuss, aber angesichts der doch spitzen Steine finde ich das eher nicht einladend.

Beim Leuchtturm angekommen führt eine steile Treppe hinauf in den Innenhof. Links ist das renovierte Zimmer des Ingenieurs, rechts die Wohnräume der Guardians – der Leuchtturmwächter. Hier gibt es auch eine Küche und alles, was man so zum Leben braucht. Die Guardians haben immer ein oder zwei Wochen Dienst, dann dieselbe Zeitspanne frei. Cordouan ist der letze Leuchtturm Frankreichs, der dauerhaft so betreut wird. Wobei aufgrund der vielen BesucherInnen die Guardians hier schon eher Touristenführer sind…

Ich ziehe meine patschnassen Schuhe aus und schlüpfe in die Sandalen, die ich mitgebracht habe. Andere bleiben einfach barfuß während der Besichtigung.

Geradeaus betritt man die Halle im Erdgeschoss des Leuchtturmes. Thomas, der Guardian, erzählt über die Geschichte des Turmes und seine Bauepochen. Die Könige wollten mit diesem Leuchtturm ein Denkmal für die Monarchie errichten, ein Wahrzeichen für alle, die sich Frankreich auf dem Seeweg nähern. Aber es wurden auch wichtige Persönlichkeiten vom Festland dorthin eingeladen, um die Macht Frankreichs zu demonstrieren und zu festigen. Ein geopolitischer Leuchtturm sozusagen, ein Wahrzeichen der Macht. Der Turm war zuerst viel niedriger, Louis XIV hatte dann die Erhöhung des Turmes begonnen und Louis XV fertiggestellt.

Dabei wurde der neue Turm auf die Kuppel der Kapelle aufgesetzt und im Stockwerk darüber die Fenster zugemauert. Dies sieht man auch von außen deutlich. Das Gewicht des gesamten Turmes ruht somit auf dem Balkon des dritten Stockes. Da ein zentrales Stiegenhaus den Turm destabilisiert hätte, hat man die Stiegen in weiteren drei Stockwerken an der Außenmauer angebracht, um mehr Stabilität zu gewinnen. Die Räume mit den Stiegenhäusern sind enorm und mit ihren Verfliesungen wunderschön. Der Guardian erzählt auch, dass alle Steine vor Ort zugehauen und dann miteinander verbunden wurden. Eine unglaubliche Leistung im 18. Jahrhundert! Die brunnenartigen Öffnungen in jedem Geschoss dienten dazu, Material rauf- und runterziehen zu können. In einem Geschoss sieht an heute noch Seil und Winde.

Wir gehen bis ganz oben, kurz unter die Fresnellinse – und schauen über die kleine Sandbank und den Steinweg, der zum Leuchtturm führt. Ich bin so glücklich, dass ich endlich im König der Leuchttürme stehen kann! König der Leuchttürme hießt er deshalb, weil sich immer Könige für seinen Bau und Erhalt eingesetzt haben. Im ersten Stock gibt es ein Königszimmer, das aber nie von Königen bewohnt wurde. Aus Gründen der Symmetrie hat das Zimmer zwei Kamine – ein absoluter Luxus zur damaligen Zeit – wobei nur einer einen echten Abzug hat. In dem Zimmer fühlt man sich eher in einem Loireschloss als in einem Leuchtturm auf offener See.

Über dem Königszimmer gibt es eine kleine Kapelle, die dem protestantischen und dann konvertierten König dazu dienen sollte, seine Gläubigkeit zu demonstrieren. Die Kapelle wirkt ein wenig abwetzt. Renovierungsarbeiten sind seit Herbst im Gange und werden in der Wintersaison durchgeführt, wenn keine BesucherInnen den Turm besuchen. Das Meer und die Brandung setzen dem Sandstein sehr zu, so müssen die Verzierungen immer wieder ersetzt werden.

Dann müssen wir den Leuchtturm wieder verlassen, weil das Meer beharrlich und unaufhaltsam ansteigt. Sonst ist der Rückweg versperrt. Die Guardians erzählen, dass sie bei Flut die Tür bei der Aufgangstreppe zum Leuchtturm schließen, aber das Wasser trotzdem unter der Tür durchkommt und so wie außen auch auf der Treppe so hoch steht, so hoch die Flut eben gerade ist. Ganz früher hat es den Steinring um den Turm gar nicht gegeben. Heute macht er es für die Guardians einfacher, im Turm zu leben und zu arbeiten.

Der Wind ist inzwischen stärker geworden und wirbelt die Gischt mit ordentlicher Geschwindigkeit um den Leuchtturm. Wir gehen den alten Steinweg hinaus, wo wir von unserem Amphibienfahrzeug abgeholt werden. Ein Rückweg auf dem Hinweg ist schon jetzt nicht mehr möglich, die Wasserlöcher haben sich bereits zu einer fast durchgehenden Wasserfläche verbunden. Die ankommende Flut schwappt schon beharrlich auf den Steinweg. Wir verabschieden uns von den Guardians und besteigen unser Schiff.

Die Guardians gehen gemütlich zu ihrem Leuchtturm zurück, hinter ihnen verschwindet der Steinweg langsam in der Flut. Die nächsten Stunden werden sie im Leuchtturm verbringen bevor sie bei der nächsten Ebbe wieder auf die Sandbank und den Steinweg hinaustreten können.

 

1 Kommentar

  • Juliana 24. Juni 2018 um 11:40

    Mega! Danke für die wunderschöne Reise zum Leuchtturm.

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