Spanien’s Extremadura

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Es gibt Landstriche, die sagen dir nichts, bevor du nicht selber dort warst. Die gibt es einfach irgendwo. Sie liegen am Rande von Ländern, wenig beachtet. Die Spanische Extremadura ist so ein Landstrich: südwestlich von Madrid an der Grenze zu Portugal gelegen, ohne Meeranschluss, karg, bergig. 

Wir verlassen Toledo in Richtung Westen und fahren direkt nach Cárceres. Dort rund um den Ort herum und nach Los Barruecos – ein Naturdenkmal südlich von Malpartida de Cáceres. Hier gibt es einen riesigen Parkplatz, null Infrastruktur… und eine Kolonie Störche!

Die nächsten Tage rühren wir uns nicht vom Fleck weg. Unser Auto parkt auf dem Wanderer- und Hundegassiführerparkplatz, und wir hängen rum oder durchstreifen die Umgebung. Es ist immer noch regnerisch und teilweise richtig kalt.

Aber als abends der Regen aufhört und kurz die Sonne rauskommt, gehen wir zu dem kleinen Stausee und zum Storchfelsen vor. Hier drängen sich die Nester der Störche dicht an dicht auf den riesigen Granitfelsen. Es herrscht reger Flugverkehr, wobei die Störche durch ihre lange, schlanke Erscheinung wie Flamingos im Flug wirken.

Am nächsten Morgen hat der Regen wieder aufgehört, aber die Wolken sind immer noch dicht. Nach dem Frühstück machen wir eine Runde im Naturschutzgebiet, schauen uns die Granitfindlinge mit Spuren von Menschen aus der Steinzeit an und besuchen die Storchkolonie.

Wir hören die Störche klappern, sehen wie sie ihre Nester aufräumen. Ich hab noch nie so viele Störche auf einem Haufen gesehen. Wenn man um die Steine herum geht, werden immer noch mehr Nester von Störchen sichtbar. Die Störche richten sich gerade häuslich ein und bereiten sich auf die Brut vor. Aber im See sehen wir auch einen Fischotter, der sich mit einem Reiher eine Schlacht um einen Fisch liefert.

Abends lesen wir uns über Störche in Wikipedia ein: wie sie leben, wann sie klappern, wie sie ihre typischen Zugrouten legen.

Wir bleiben noch einen weiteren Tag am See und bei den Störchen. André ist ein wenig verkühlt, so ist langsam machen angesagt. Aber ich komme hier auch zur Ruhe, wir lesen oder ich drehe große Runden zwischen den Findlingen gegenüber oder an dem kleinen See.

Vom Hügel gegenüber hat man einen weiten Blick nach Süden in eine typische Landschaft der Extremadura, in die ich mich richtig verliebe. Alles wirkt so ehrlich, so naturbelassen, irgendwie so wie es sein soll. Die Wiesen sind frühlingshaft mit leuchtend gelben Blumen bedeckt, dazwischen grasen Kühe, Schafe und Pferde. Immer wieder sind die Wiesen mit riesigen Eichen durchsetzt, die ausladend ihre Äste in die Breite strecken und dichten Schatten unter ihrem Geäst bieten.

Lange sitze ich hier und schaue über die karge, aber wunderschöne Landschaft.

Der nächste Tag beginnt kalt, aber strahlend schön, keine Wolke zeigt sich am Himmel. Wir verlassen den gemütlichen Platz bei den Störchen und wollen nach Trujillo und dann weiter nach Süden. Und schwarze Schweine suchen, die hier halbwild zwischen den Eichen leben sollen. Gleich bei unserem Platz bleiben wir noch bei einer anderen Stöchkolonie stehen. Dort sind auf den Felsen im Wasser sogar Schildkröten, die sich wärmen!

Einen Zwischenstopp machen wir noch in Cacéres, weil ich unbedingt in einem Delikatessgeschäft noch Iberischen Schinken einkaufen will. Also wenn ihr in der Gegend seid, unbedingt bei Mostazo vorbeischauen. Riesige Schinken hängen hier von der Decke, es gibt aber auch Würste und andere regionale Produkte wie Marmelade, Kekse, Honig und Käse. Ich kaufe unterschiedliche Sorten Schinken und einen Honig fürs Frühstück.

Die Gegend bis Trujillo ist ländlich: riesige Weiden mit Kühen, Schafen und Pferden, auf den Höfen Hühner und sogar Truthähne laufen rum. Immer wieder sehen wir nistende Störche auf Hochspannungsmasten, Schornsteinen und alten Bäumen.

In Trujillo parken wir am Fusse der Altstadt und gehen einen schmalen Fahrweg zu den alten Stadtmauern hinauf. Oben angekommen haben wir einen super Blick auf die Landschaft retour. Beim Friedhof kann man einen Teil auf der Stadtmauer selber gehen, immer die Umgebung im Blick. Dann wandern wir durch die Altstadt und entdecken hinter jedem Eck etwas neues: einen alten Brunnen, der anscheinend schon von den Mauren angelegt wurde, alte Stadttore, eine Kirchenruine, einen weiteren Aussichtspunkt.

Die Kirche Maria Mayor ist gotisch und sehr sehenswert. Wir wandern durch die Kirche selber und besteigen dann den Kirchturm, von dem man einen tollen Ausblick über die Stadt hat. Und überall nisten natürlich die Störche auf den Schornsteinen und Simsen.

Dann gehen wir in Richtung Plaza Mayor: die Kirche San Martin befindet sich hoch über der Treppe, die Häuser und Paläste darum herum angeordnet. Alles sieht aus wie aus einer längst vergangenen Zeit.

Wir kehren in einer Bar ein, wo man einen Überblick über das ganze Ensemble hat, trinken ein Bier und essen Jamon Iberico und ein Brot mit geräucherter Sardine. Trotz dass es in der Früh so kühl war, merkt man in der Sonne den Süden. In der heißen Strahlung halten wir es nicht zu lange aus. Am Plaza Mayor gibt es übrigens auch ein paar Delikatessgeschäfte, die Spezialitäten aus der Extremadura verkaufen. Aber wir haben unseren Vorrat ja schon vormittags aufgefüllt.

Auf der Suche nach schwarzen Schweinen fahren wir durch die sogenannten Dehesas nach Süden. Dehesas sind beweidete Eichenhaine und typisch für die Gegend. Früher waren sie Allgemeingut und sind auch heute noch oft Eigentum der Gemeinde. Aber die schwarzen Schweine lassen sich nicht blicken, keine Ahnung, wo sich die rumtreiben. Aber diese Landschaft: die dicken Eichen sind teilweise so mächtig und ausladend – einfach wunderschön.

Nördlich von Merida übernachten wir in einem Naturpark. Als wir in der Früh aufwachen, regnet es schon wieder. Da wir uns beide nicht ganz fit fühlen, beschließen wir, die Extremadura zu verlassen und nach Portugal hinüberzufahren. Dabei wäre noch so viel zu sehen gewesen, aber uns ist einfach nach mehr Wärme. Und in Portugal soll das Wetter besser sein. Also geht es bei Merida in Richtung Süden. Die Landschaft ist hier wieder flacher, Obstbaumplantagen bestimmen das Bild.

Bei Zafra biegen wir nach Westen in die Berge und in Richtung Jerez de los Caballeros ab. Es ist Sonntag, das Dorf wirkt wie ausgestorben als wir zur Kirche San Bartolomé gehen, die an der Aussenseite mit Kacheln verziert ist. Der Regen macht extra für uns eine Pause und ich bin froh, dass wir den Umweg gemacht haben.

Gegenüber wo wir parken, gibt es ein Restaurant mit angschlossenem Laden mit dem selbstredenden Namen „La Jamonerìa“. Ich fülle unsere Vorräte mit Jamon Iberico auf. Zusätzlich bekomme ich dort einen regionalen Käse.

Auf dem Weg nach Südwesten müssen wir auf einmal eine Vollbremsung hinlegen: auf einer Weide an der Strasse sehen wir eine Herde schwarze Schweine! Sie suchen im Gras rum, wühlen, grunzen leise und wacheln mit ihren großen schwarzen Ohren. Wir haben sie also doch noch gefunden!

Und zusätzlich finden wir massig Wildspargel am Strassenrand und sammeln eine ordentliche Portion für das Abendessen. Das erste Abendessen, das wir schon in Portugal zu uns nehmen. Auf dem Campingplatz in Serpa… aber das ist dann schon eine andere Geschichte…

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