Winter auf Sizilien (Teil I: Genua, Palermo und der Westen)

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Schon öfters sind wir zum Jahreswechsel in den Süden Italiens verreist, einmal war Apulien unser Ziel, einmal Sardinien. Diesmal sind wir in Richtung Sizilien aufgebrochen und fanden dort eine spannende Insel vor: mit vielen Ausgrabungen und alter Geschichte, Stränden und Buchen und freundlichen Menschen. Lasst euch ein wenig mit auf die Reise in den Süden nehmen…

Erste Station ist Genua, um von dort die Fähre über das Mittelmeer nach Palermo zu nehmen. Wir kommen nachts an und suchen den von uns recherchierten Standplatz auf. Am nächsten Morgen wachen wir in einer recht eisigen Umgebung auf, alles rundherum ist gefroren, der Reif liegt auf den Wiesen. Wir hüpfen aus dem Auto und schauen uns unseren Standplatz bei Licht an. Eine kleine Kapelle ist gleich um die Ecke, ein Dorf gegenüber den Feldern.

Nach dem Frühstück fahren wir nach Genua runter und lassen unseren Bus oben auf den Hügeln bei der Bergstation einer Standseilbahn. Steil geht die Fahrt nach unten mit der Bahn, und wir landen mitten im Gewirr der Stadt. Gegenüber tauchen wir in die Gässchen der Altstadt ein. Die Altstadtgässchen sind wie aus einem Film: eng und dunkel, kleine Geschäfte links und rechts, manchmal scheinen sie aus dem vorletzten Jahrhundert übrig geblieben zu sein.

Wir schauen bei Dom und der Kirche San Donato vorbei und wandern in Richtung Hafen. In den engen Gassen verliere ich schnell die Orientierung, ein Stück weit vom Hafen landen wir auf der Hauptstraße, vis-a-vis mit der Autobahn, die hochgestellt mitten durch die Stadt führt.

Im Hafen genießen wir die wärmende Sonne, doch der eisige Wind vom Meer lässt uns unsere Mützen tiefer über die Ohren ziehen. Im Windschatten essen wir unsere Focaccia, typisch für Genua und an jeder Ecke in mehreren Sorten zu haben. Dann machen wir uns zum Leuchtturm auf – dem Wahrzeichen von Genua.

Ein stegartiger Weg unter Straßen hindurch und an Mauern vorbei führt uns zum Leuchtturm. Das kleine Museum daneben beleuchtet die Geschichte des Leuchtturmes und der Stadt. Aber uns interessiert der Turm viel mehr. Leider kann man nur bis zur ersten Plattform hinaufgehen, aber auch von dort hat man einen herrlichen Ausblick auf die Stadt, die sich in der orangen Wintersonne die Hügel hinaufzieht. Der strenge Wind treibt uns schließlich wieder hinunter.

In der Stadt begegnen wir einem mittelalterlichen Umzug, dem wir eine zeitlang folgen. Ich schließe die Augen und versuche mir vorzustellen, wie die eindringlichen Trommeln wohl im Mittelalter auf Menschen gewirkt hat. Dann kehren wir noch im Café Mangini ein, bevor wir den Schrägaufzug wieder retour zu unserem Auto nehmen.

Die Fähre fährt endlich am Sonntag früh. Noch vor Sonnenaufgang stehen wir auf und fahren nach Genua zum Hafen. Endloses warten bis wir aufs Schiff dürfen. Dafür eine positive Überraschung: wir haben die Kabine mit der Nummer 7000 – 7. Deck, vorne und genau in der Mitte inkl. Fenster. Besser kann man es nicht bestellen. Wir sind noch auf Deck als das Schiff Genua verlässt, dann begeben wir uns in unsere Luxuskabine zum Chillen. Erst als Korsika in unserem Fenster auftaucht, gehen wir wieder an Deck und beobachten, wie die Sonne hinter der Insel versinkt.

In der Früh sehen wir die Sonne wieder als wir gerade in Palermo einfahren. Die großen Felsen um die Stadt sind wolkenverhangen, aber die Sonnenstrahlen wärmen uns schon. Wir verlassen das Schiff und sind gleich auf der Suche nach einem Abstellplatz für unseren Bus. Ein schwieriges Unterfangen in dieser Stadt. Die Strassen sind dicht gefüllt mit kleinen Autos, die Straßen verlaufen in unvermuteten Einbahnstraßen und die Fahrspuren sind meist nur zu erahnen. Alle fahren auf so vielen Spuren wie notwendig, gehupt wird großzügig, geparkt, wo es gerade notwendig ist und wenn es sein muss auch in zweiter oder dritter Spur. Wir schlagen uns tapfer und parken schließlich oberhalb des Hafens und gehen retour in Richtung Stadtzentrum. Einen Regenschauer warten wir in einem Bushäuschen ab und sind eher entnervt. Aber dann klart es auf, und wir gehen in Richtung Vucciria. Leider ist dort montags nicht viel los. In einem Imbiss probiere ich meine ersten Arancini mit Pistazien und Scamorza.

Gut essen hilft immer gegen gedrückte Stimmung und mit neuem Elan steuern wir als erstes die Chiesa Santa Maria dell’Ammiraglio an. Der maurische Turm außen macht sich gut unter der Palme. Von der Terrasse an der Kirche hat man auch einen wunderbaren Blick auf die Piazza Bellini. Am Quattro Canti (am besten genau in die Mitte stellen und sich einmal um sich selber drehen) gehen wir in Richtung Normannenpalast und besuchen auf dem Weg dorthin noch die Chiesa di San Giovanni degli Eremiti mit ihrem filigranen Kreuzgang. Kreuzgänge mag ich immer gerne und die Säulen in dieser Kirche sind doppelreihig und fast weiß.

Der Normannenpalast – der Regierungssitz der Provinz Sizilien hat geöffnet, und wir besuchen die Cappella Palatina. Als ich die Kapelle betrete, verschlägt es mir den Atem, so schön ist sie. Maurische Elemente mischen sich mit alten byzantinischen Mosaiken, alles in leuchtenden Farbe und harmonischen Geometrien. Lange stehe ich dort und entdecke immer wieder neue Bilder und Muster. Ich kann mich gar nicht so richtig losreißen.

Die Kathedrale gefällt uns dagegen von außen viel besser als von innen. Außen ist sie herrschaftlich und verziert, innen barock und wenig spannend.

Nächstes Ziel ist der Markt Ballaro, wo ich hoffe, ein paar Produkte der Insel zu finden. Wir kaufen frische Mandarinen, Oliven mit Thymian, einen kugelrunden Caciocavallo und Salami. Die Artischocken, riesigen Fenchel und Zichorien bewundere ich nur, aber für unsere Campingküche scheinen sie gerade wenig geeignet.

Eine Kaffeepause legen wir im Café Stagnitta gleich hinter der Piazza Bellini (Discesa dei Giudici, 42/44) ein. Dort gibt’s Kaffee aus eigener Röstung und feine kleine Süßigkeiten.

Mit dem Bus fahren wir retour zu unserem Auto – als Busfahrer muss man da schon auch gute Nerven haben, wenn man mit seinem vollbesetzten Bus unterwegs ist und einem dauernd Autos auf seiner Busspur entgegen kommen. Aber wir kommen gut beim Auto wieder an.

Da wir nach der quirligen Stadt Lust auf Natur haben, entschließen wir uns, aufs Capo San Vito im Westen von Palermo zu fahren. Wenn man Standplätze im Dunkeln sucht, weiss man nie was einen erwartet, wenn man morgens aus dem Bus hüpft. Diesmal haben wir es besser nicht erwischen können. Wir stehen auf einem geschotterten Platz direkt an der Meeresbrandung, hinter uns ragt der Monte Cofano in den Himmel. Rechts von uns liegt der riesige Golfo di Macani mit den Bergen des Zinaro-Naturpark darüber. Die Sonne ist schon über den Bergen hinter uns und taucht alles in winterliches Sonnenlicht.

Zuerst fahren wir nach San Vito lo Capo an den Leuchtturm. Schlank und strahlend weiß steht er auf dem Ende der Halbinsel. San Vito besteht aus vielen würfeligen Häusern und hat schon ein nordafrikanisches Flair mit Kachelbildern und tiefblauen Haustüren. Ich mag den Ort irgendwie, es ist ruhig hier, nur ein paar Einheimische hängen in den lokalen Bars und Cafés herum.

Dann machen wir uns auf in Richtung Segesta. Quer über die Berge geht es auf teilweisen sehr desolaten Straßen. Aber es ist nicht viel los, so kann man getrost auf die andere Straßenseite ausweichen, wenn dort der Straßenzustand besser ist.

In Segesta wandern wir zuerst zum Tempel, dann zum Theater hinauf. Wer dorthin kommt, umbedingt den Pfad zum Tempel hinauf nehmen, nicht den Shuttelbus und nicht die Strasse. Der Pfad fängt bei der Ausgrabung beim Parkplatz an und schlängelt sich den Hang hinauf. Aber unterwegs hat man einmalige Ausblicke auf den Tempel retour, der von hier aussieht, als würde er alleine in dieser hügeligen Landschaft liegen.

Beim Retourweg bleiben wir noch bei der Tonnara von Scopello stehen. In den zahlreichen Tonnaras wurde früher der Thunfisch verarbeitet, jetzt gibt es nicht mehr so viel Thunfisch um Sizilien, dass die Tonnaras verlassen sind, teilweise verfallen, aber einige auch noch zugänglich sind oder restauriert wurden. Die Tonnara von Scopello ist zwar gut erhalten, aber man kann doch wenig in die Nebengebäude schauen und erklärt ist fast gar nichts. Wobei wir schon schwer bewundern, dass überall Menschen in den Kassahäuschen arbeiten oder bei den Eingängen die Karten abreissen oder Tarife in irgendwelche dicken Bücher eintragen. Arbeitsplatzschaffung auf sizilianisch… 

Gleich am nächsten Vormittag nehmen wir den Monte Monaco in Angriff und wandern von San Vito lo Capo los. Die Westflanke ist steil, aber der Weg gut ausgetreten, oben geht es noch bis auf den Kamm, wo wir auf eine alte Strasse stoßen. Unter dem Gipfel ist ein alter Steinbruch, was wohl die Strasse erklärt.

Am Gipfel liegt uns der Ort mit seinem Strand und der türkisen Bucht zu Füssen, ganz hinten steht der weisse Leuchtturm. Auf der Ostseite fällt der Berg steil ab und man hat fast einen senkrechten Blick auf die Uferebene am Fusse. In der Sonne jausnen wir bevor wir uns angesichts nahender Gewitterwolken wieder an den Abstieg machen.

Danach schauen wir uns noch ein wenig am Fusse des Berges um, besuchen den anderen Leuchtturm an der Ostseite und die Tonnara del Secco, die schon recht zerfallen ist. Nur durch einen kleinen Schluff auf der Seite bekommt man Zugang zu den alten halb verfallenen Gebäuden. Den Tag schließen wir mit einem guten Cappucchino ab bevor wir wieder den Standplatz unter dem Monte Cofano aufsuchen.

Nächsten Morgen werden wir geweckt, weil ein kräftiger Wind eher schon ein Sturm an unserem Auto rüttelt. Eigentlich wollten wir nach Erice, aber müssen bald einsehen, dass das bei den Windgeschwindigkeiten wenig Sinn macht. Wir fahren mal in Richtung Trapani.

Bei Bonagia sehen wir uns alte Thunfisch-Fischerboote am Strand an. Trapani ist uns grad ein bisschen zu quirlig, also fahren wir in die Salinen weiter. Wir sehen sogar Flamingos, die nicht allzu weit entfernt von der Strasse im Schlick nach Krabben suchen.

Im sehenswerten Salzmuseum bekommen wir eine amüsante italienisch-englische Führung über die Arbeit in den Salinen und die verwendeten Gerätschaften. Vom Dach des Salzmuseums hat man zudem einen super Überblick über das Gebiet rundum. Natürlich muss ich auch ein kleines Säckchen Salz zum Kosten mitnehmen, das sogar den Presidias von Slow Food angehört.  

Wir beschließen, nach Süden, in die Nähe von Menfi weiterzufahren, um dort dem Sturm ein wenig zu entkommen und dort am nächsten Tag die Tempel von Selinunte anzusehen. Wir suchen einen Stellplatz gleich bei einem aufgelassenen Bahnhof und drehen im letzten Abendlicht noch eine kleine Runde in der Umgebung.

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