Winter auf Sizilien (Teil III: der Osten und die Heimreise den ganze Stiefel hinauf)

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Nach intensiven Tagen im Süden von Sizilien kommen wir im Osten und damit im Bergland an. Leider hängen hier im Winter dicke Wolken über dem Etna. Aber die Küste erinnert uns eher an die Côte d’Azur mit ihren Steilküsten, nur dass die Felsen hier tiefschwarz sind.  

Auf unserem Campingplatz in Acireale ist es warm genug für ein Frühstück in der Sonne, und wir genießen es auf der Terrasse hoch über dem Meer. 

Dann fahren wir nach Santa Maria la Scala, dem Ort direkt unter unserem Platz, da hier die Küste steil abfällt. Männer plaudern am Hafen, ein Junge fischt, einige versuchen, ein Boot an den Strand zu ziehen – ein idyllisches Bild. Dahinter die schwarzen Lavafelsen und weit oben die Häuser von Acireale.

Nächster Stopp ist in Capomulini, wo wir zum Leuchtturm hinübergehen. Dann fahren wir noch nach Aci Trezza, um die Lavafelsen im Meer zu sehen, vorgelagert ist auch eine kleine Insel. Deutlich sieht man Basaltsäulen auf den kleinen Inseln, wo genug Platz ist, hat man eine Madonnenfigur in den Stein platziert. Der Ort hat irgendwie zu sehr Schicki-Micki-Flair für uns, so fliehen wir zum Etna hinauf.

Über zahlreiche Höhenstufen und Kehren, durch Dörfer und Siedlungen fahren wir nach Zafferana Etnea. Der Ort nennt sich selber „Stadt des Honigs“, da dort der meiste Honig auf Sizilien geerntet wird. In einem der Honigfachgeschäfte nehmen wir einen Orangenblüten- und einen Kleehonig mit.

Dann begeben wir uns auf die Piazza Belvedere und zu Donna Peppina. Das Lokal sieht aus wie ein Café, aber sie haben dort die typische lokale Pizza – eine frittierte Calzone!

Wir bestellen uns die klassische Sorte mit Tuma, einer Art regionaler Pecorino, und Sardellen. Anschließend sind wir gut voll, und ich habe das Gefühl rund 1500kcal auf einmal gegessen zu haben.

Wir fahren den Etna weiter in Richtung Seilbahn hinauf. Nach einem Abstecher zu einem Bevedere (wo man außer dichten Nebel nichts sieht…), wenden wir uns der Nordseite zu. Kurzfristig reißen die Wolken auf und man sieht auf die Lavafelder und kleinen Nebenkrater – was für ein grandioser Ausblick.

Aber kurz später sind die Wolken wieder dicht, und es beginnt zu schneien. Die Strasse ist schneebedeckt und rutschig, die schwarze Lava mit Schnee bezuckert. Und wir versuchen ohne Rutschpartie wieder ins Tal zu kommen.

Am nächsten Tag geht es schon in Richtung Festland. Auf dem Campingplatz stehen eine Menge Zitrusbäume, die keiner erntet, so decken wir uns noch mit Zitronen, Orangen und Grapefruit ein. Nach einem letzten Winterfrühstück in der Sonne starten wir in Richtung Messina. Bald beginnt es zu regnen und wird gen Norden immer mehr.

Die Küste stellt sich gegen Norden nochmal kräftig auf, die Dörfer kleben an den Felsen, die Berge schieben ihre Ausläufer bis nahe ans Meer. In Messina wissen wir nicht recht, wie man mit der Fähre tun muss, aber es ist alles recht unkompliziert: Ticket kaufen, aufs Schiff fahren und los. Und bald landen wir in Villa San Giovanni in Kalabrien auf dem Festland.

Wir fahren weiter nach Norden und machen in Scilla halt. Malerisch klebt der kleine Ort auf dem Felsen, darunter der helle Sandstrand. Die Wollen hängen immer noch tief, aber der Regen hat aufgehört.

Wir tingeln weiter nach Norden, durch kleine Dörfer und einen wenig charmanten Containerhafen. Südlich von Tropea finden wir einen Stellplatz direkt am Meer.

Abends ist es so angenehm warm, dass wir bei offener Tür sitzen können. Der Vollmond beleuchtet die Szenerie, die Wellen schlagen laut an die Steine am Ufer, wir reden und lachen, trinken sizilianischen Rotwein. So lässt es sich leben!

Gleich am nächsten Morgen fahren wir zum Capo Vaticano. So malerisch wie im Reiseführer beschrieben ist es dort nicht, aber ich stelle fest, dass es in Kalabrien tieftürkises Meer gibt. Zum Sattsehen!

Dann geht es nach Tropea! Schon lange will ich der kleinen Stadt auf dem Felsen einen Besuch abstatten. Wir gehen zuerst oben in die Stadt hinein, dann einen Treppenweg hinunter zum Strand und zur Santa Maria dell’Isola, einer Kirche auf einem Sandsteinfelsen vor dem Ort. Durch den Sandsteinfelsen führt auch eine Höhle zu einem kleinen Sandstrand. Jetzt im Winter ist das Meer zu hoch und die Wellen jagen uns immer wieder in die Höhle retour.

Dann gehen wir den Strand entlang um den Ort herum. Auf dem nördlichen Eck klettern wir auf einen kleinen Sandsteinfelsen und essen dort saftig-süße Mandarinen mit gefühlten tausenden Kernen, die wir in weitem Bogen vor uns in den Sand spucken.

Von unserem Felsen aus hat man einen super Ausblick auf die Stadt auf den Klippen und die Insel davor im Meer. Herrlich, genau so hatte ich mir das vorgestellt. In dem Augenblick bin ich unglaublich glücklich, zwei Wochen sind wir schon unterwegs, wir haben viel Interessantes gesehen, viel erlebt, es ist oft anstrengend, aber wir haben auch viel Spaß gehabt.

Wir gehen über einen anderen Treppenweg zurück hinauf in die Stadt, am Dom vorbei, streifen über die Plätze und suchen weitere Aussichtspunkte über das Meer. Im Sommer muss hier viel los sein, aber jetzt haben viele Restaurants und Geschäfte geschlossen.

Auch hier sind immer wieder Häuser leerstehend und verfallen langsam. Vor den Bars stehen immer Trauben von Männern und diskutieren wild gestikulierend in einem völlig unverständlichen italienischen Dialekt.

Wir fahren weiter in Richtung Norden, obwohl ich noch weiter die Strände Kalabriens genießen könnte. In Nocera Terinese halten wir am Strand, um in der Sonne zu essen. Anscheinend muss es vor nicht allzu langer Zeit ein gewaltiges Unwetter gegeben haben, die Installationen am Strand sind zerstört und liegen in großen Trümmern verstreut herum.

Wir nehmen die Autobahn und fahren ins Landesinnere. Ich bin erstaunt, wie hohe Berge es in Kalabrien gibt, auf der Hochebene wachsen Oliven, darüber erheben sich schneebedeckte Berggipfel. Abends bin ich aber dann froh, als wir das Capo Palinuro im Cilento erreichen. Wir hatten hier schon vor Jahren mal übernachtet und wollten für Silvester wieder hierhin – zum Leuchtturm über dem Cap.

Am nächsten Morgen im ersten Sonnenlicht drehen wir noch eine Runde zum Leuchtturm und nehmen dann weiter Kurs auf Norden.

An diesem Tag legen wir die längste Strecke auf unserer Reise zurück. Abends suchen wir uns einen Stellplatz gleich beim Friedhof im netten Ort Tellaro – auf der Costa Lerici nahe von La Spezia.

Nach dem Frühstück erkunden wir den kleinen Ort. Enge Gässchen führen auf eine felsige Halbinsel hinaus, dort donnern die Wellen mit Getöse und schaumspritzend an Land. Lang stehen wir dort im Wind und der Brandung und sehen dem Schauspiel zu.

Dann fädeln wir den Wanderweg an der Küste ein und gehen in Richtung Süd-Osten. Eigentlich war ein breiter Strand unser Ziel, aber von weitem sehen wir schon, dass dieser aufgrund der Witterungsbedingungen einfach überflutet ist. Aber wir genießen die kleine Wanderung, die Gegend hier ist schon sehr mediterran und die Vegetation deutlich anders als auf Sizilien.

Vom Bergrücken des Montemarcello tun sich unterschiedliche Aussichten auf: zum kleinen Nachbarort Lerici und San Terenzo, über die breite Bucht von La Spezia bis zu den schneebedeckten Französischen Alpen, zu den Alpi Apuane hinter Carrara.

Letzte Station ist die Punta Bianca – auch hier ist der Strand im Winter ganz unter den rollenden Wellen verschwunden. Hoch spritzen die Wellen an den Felsen herauf. Mir bleibt das Herz stehen als es scheint, dass sie André von seinem Aussichtsfelsen reißen.

Wir jausnen dort in der warmen Sonne, genießen die letzten Blicke auf Meer und Brandung bevor wir die letzten Stunden Heimfahrt in Angriff nehmen, die noch vor uns liegen.

 

Hier findet ihr die weiteren Teile der Reise:

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