Zu Besuch bei l’Amante Verte

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Ich besuche oft Bekannte auf Reisen. Diesmal waren wir in der Nähe von Claire Poirrier, die ich von den Europäischen Grünen kenne. Sie betreibt im Süden der Bretagne einen Biobauernhof, baut dort Kräuter an und stellt daraus Teemischungen her. Ich musste mir ihren Betrieb unbedingt ansehen. 

Der Hof liegt in der Nähe von Sixt-sur-Aff, mehrere Schilder weisen uns den Weg in den Weiler „La châtaigneraie des Landes“. Zuerst führt uns Claire auf die Felder hinaus. Auf 4 Hektar werden dort alle möglichen Arten von Kräutern, aber auch Blumen angebaut. Sie erklärt uns, dass das milde, aber nicht zu heiße Klima der Bretagne für die Kräuter sehr gut ist. Der Hof gehört eigentlich einer Kooperative, die aus 95 Interessierten meist aus der Region besteht, denen der Grund und die Häuser gehört und sie als Landwirte nur mieten.

Das lila Basilikum ist noch ganz klein, während die Blumen der Engelswurz schon fast aufgegangen sind. Daneben gibt es duftende Rosen, bitterer Wermut, Fenchel, mehrere Sorten Thymian und Minze und die Klassiker wie Oregano und Majoran. Da sie biologisch arbeiten, wird auch das Unkraut händisch entfernt oder bis zu einem gewissen Grad einfach toleriert. Wir erfahren viel über die Eigenschaften der Pflanzen, zerreiben Blätter, um ihr Aroma wahrzunehmen und riechen an Blütenblättern und Samen.

Neben dem Kräuterfeld gibt es auch ein Gewächshaus, wo Gemüse für den Hausbedarf wächst. Zudem wird das Gemüse für das Essen des kleinen „Salon de thé“ verwendet, welches Freitags (von 16 bis 21h) und Sonntags (von 15 bis 19h) geöffnet hat. Aber dazu später. Da auch Führungen für Interessierte durchgeführt werden, gibt es hier z.B. auch eine Kräuterspirale, wo man die Kräuter im Vergleich ansehen und riechen kann, zudem Sitzmöglichkeiten, damit man in diesem wilden bretonischen Garten verweilen kann.

Auch ihr großer Kräutertrockner und das Lager sind sehr spannend. Die geernteten Blätter werden normalerweise in einem großen Haufen in den Trockner gegeben und nicht auf die einzelnen Lagen aufgeteilt. Der Trockner wurde speziell für die Trocknung von Kräutern entwickelt und braucht durch ein ausgeklügeltes Wärmerückgewinnungssystem nicht Unmengen an Energie. Während der Trocknung werden die Blätter immer wieder gewendet, damit die Blätter nicht zusammenklumpen und gleichmäßig trocknen. Wichtig ist nämlich, dass sie so frisch wie möglich getrocknet werden, um kein Aroma zu verlieren. Gelagert werden sie anschließend in großen Kraftsäcken aus Papier, die mit einem eigenen System auf Stangen gehängt wird. So kann man bei Bedarf die Teesorten zusammenmischen.

Die Sorten haben sie mühsam entwickelt, immer wieder Mischungen in Versuchsmengen probiert, variiert und getestet. Erst als die Mischungen fest standen, haben sie dann auf dem Hof die nötigen Kräuter in der benötigten Menge gepflanzt.

Mittags kochen wir gemeinsam im Wohntrakt. Ich genieße die lockere Atmosphäre wie hier alle, die hier arbeiten bzw. leben in das Essen und die Gespräche eingebunden werden.

Nach dem Essen gehen wir in den „Salon de thé“ hinüber, um dort alle Sorten ihrer Kräutertees zu verkosten. Aber zuerst muss ich den „Salon de thé“ selber inspizieren: es ist genauer gesagt ein „Salon de thé“ mit kleiner Buchhandlung, überall gibt es nette Ecken zum Sitzen und Lesen. Ich begutachte natürlich die Kochbuchabteilung, aber auch die anderen Abteilungen sind gut bestückt. Daneben gibt es eine kleine Terrasse, wo Veranstaltungen stattfinden wie z.B. der regelmäßige Brunch im Sommer.

Dann wird für die Teeverkostung hergerichtet. Die Kräuter und Blüten werden in Kannen mit kochendem Wasser aufgebrüht und dürfen exakt die nötige Zeit ziehen, welche auch auf den Packungen vermerkt ist, meist zwischen 5 und 10 Minuten. Man sieht auch, wenn der Tee fertig gezogen ist, dann fangen die Blätter an zu sinken, weil sie die Feuchtigkeit vollständig aufgenommen haben. Haben die Tees fertig gezogen, werden sie in die kleinen Schüsseln vor den Kannen gegossen. Von dort kosten wir den Tee mit kleinen Löffeln. Für die Verkostung sollte der Kräutertee nicht zu heiß sein, aber doch noch warm, dann nimmt man die Geschmäcker am besten auf.

Wir beginnen mit dem leichtestem Tee und versuchen, die einzelnen Komponenten herauszuschmecken. Dabei gibt es eine sogenannte „Kopfnote“, die man beim Ausatmen wahrnimmt und eine „Herznote“, die den Hauptgeschmack des Tees ausmacht und sich im Mund ausbreitet. Claire erzählt uns über die Zusammensetzung der Tees und auch über ihre Anstrengungen, ausgewogene Kräutertees mit unterschiedlichen Geschmäckern zu mischen. Pflanzen aus dem Süden (wie z.B. Thymian) und Samen haben stärkere Geschmäcker und müssen vorsichtiger dosiert werden.

Ich finde ihre Mischungen sehr gut gelungen, jede hat ihre eigene Charakteristik, und ich habe schnell meine Lieblinge auserkoren. Besonders mag ich die zitronigen Noten, so kann die Mischung „Vitalité“ mit Zitronenthymian und Bergamottenminze bei mir punkten. Aber auch die Sorte „Fraîcheur“ mit Majoran und Minze ist sehr gut. Dafür sagen mir die Sorten mit Fenchel oder Ysop im Vordergrund nicht so zu. Aber Geschmäcker sind verschieden und durch die durchdachte Vielfalt bin ich überzeugt, dass für jeden eine Lieblingssorte dabei ist. Abgepackt sind die Kräutertees in kleinen Kunststoffboxen mit Metallschraubveschlüssen und in einem beschrifteten Karton. Sie hatten mehrere Verpackungen ohne Kunststoff ausprobiert, aber der Tee verliert so schnell an Geschmack, dass er unbedingt luftdicht verpackt werden muss.

Nach der Verkostung verabschieden wir uns, nicht ohne einen kleinen Vorrat dieser guten Tees mitzunehmen. Und eine herzliche Erinnerung an Freunde, die diesen wunderschönen Kräuterhof im Süden der Bretagne geschaffen haben.

 

L’Amante Verte
La châtaigneraie des Landes.
35550 Sixt sur Aff, Bretagne
France
Téléphone: +33 223 10 52 26

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