Eine Woche durch Galizien

chiliundschokolade.at/ - info@chiliundschokolade.at/
fb/chiliundschokolade
instagram/alexmedwedeff

Wer Norwegen liebt, wird Galizien sofort in ihr/sein Herz schließen. Der Nord-Westlichste Zipfel Spaniens ist voller Fjorde, wilder Küsten und atemberaubender Strände. Nach unserem Aufenthalt in Portugal waren wir letzten Frühling eine Woche dort unterwegs.

Von Porto und Esposende in Portugal fahren wir nach Norden und wieder nach Spanien. Unser Ziel ist ein Camping bei Vilanova de Arousa in Galizien. An der portugiesischen Grenze wird es wieder hügeliger und bergiger, dazwischen sind Flussmündungen und Lagunen tief ins Land hineingeschnitten. Am Campingplatz sind wir die einzigen Besucher außer den Dauercampern und haben eine ganze Wiese inkl. Strandzugang für uns.

Am nächsten Tag brechen wir nach dem Frühstück zur Halbinsel gegenüber auf. Zuerst tingeln wir durch ein paar Dörfer, es gibt Häuser in groben Granitblöcken und Holzstüpfel im Wasser. Bei Ebbe ist alles voller Schlick, die Boote liegen zur Seite geneigt auf dem Trockenen und warten darauf, dass das Wasser sie wieder anhebt.

Auf der Halbinsel besuchen wir zuerst den Dolmen von Axeitos, ein großer Dolmen aus Granitsteinen und mit Dach.

Unser nächstes Ziel ist die große Düne von Corrubedo. Zuerst gehen wir zum Aussichtspunkt und illegalerweise auch ein kleines Stück auf die Düne hinauf. Ein Teil der Düne ist immer noch mobil und wandert je nach Wind herum. Ein anderer Weg führt um die Düne herum zu einer Lagune und an den Strand.

Hier bläst der Wind kräftiger, aber dafür kämpft sich die Sonne durch die Wolken. Das Meer schäumt heftig und lässt die Gischt wie einen Nebel erscheinen. Der Strand ist riesig, das Wasser steht auch in der flachen Lagune und rollt über die Felsen an Land. Nach den Wochen in Portugal ist es hier doch wieder sehr anders und neu.

Dann fahren wir zum Leuchtturm von Corrubedo, der ganz draußen am Kap steht. Hier stürmt es ganz ordentlich und die Wellen brechen mit viel Getöse an den Felsen. Der Leuchtturm ist klein und hübsch und thront mit einem kleinen Haus auf dem Felsen.

Ich sitze eine zeitlang an einer windstillen Stelle und beobachte, wie das Meer auf die Felsen spritzt und an einer Stelle dort zu explodieren scheint. Mit der Sonne ist das Meer tieftürkis und stahlblau.

Der nächste Tag beginnt strahlend schön, aber kühl. Wir checken beim Campingplatz aus und besuchen zuerst noch die vorgelagerte Insel Ilha de Arousa und ihren Leuchtturm.

Es mutet hier fast schwedisch an mit den großen Granitblöcken im Meer. Überall sind auch Fischzuchten im Wasser und  immer wieder breiten sich zwischen den Felsblöcken kleine bis größere Strände mit türkisem Wasser aus.

Dann fahren wir nach Norden, bei Padron (Hallo Minipaprika!) vorbei und weiter in Richtung Fisterra, wo wir die Nacht verbringen wollen.

Unter dem Monte Louro beim Leuchtturm machen wir unsere erste Pause. Von dort kann man an der Küste zum Praia Maior spazieren – und es ist großartig: die Felsen, die Wellen, das türkise Meer, die tiefblaue Lagune dahinter. Ich kann mich gar nicht sattsehen. Die Wellen schlagen an die Küste, dahinter blüht der Ginster tiefgelb auf den Hügeln. Die Farben sind kräftig und satt.

Kurz später bleiben wir nochmal beim Faro Lariño stehen und gehen zum Strand vor. Türkise Wellen scheinen hier von allen Seiten zu kommen, der Strand scheint unendlich lang und menschenleer, die Gischt füllt die Luft.

Auf den Steinen sammelt sich das Salz aus dem Meer und am Strand wachsen bunte Blumen. Ich sauge diese wunderbare Natur richtig in mich auf, atme ordentlich durch.

So viel steht fest: ich mag Galizien, das sich stets rauh, fast schon skandinavisch präsentiert.

In Lira besichtigen wir einen überlangen Horreo – das sind traditionelle Kornspeicher auf Stelzen, damit Nagetiere nicht hinein können. Zu früherer Zeit befand sich Lira mit dem benachbarten Carnota in einem Wettstreit um den längsten Horreo, deshalb gibt es in beiden Orten diese überlangen Speicher.

Gleich neben dem Horreo steht eine alte Steinkirche mit Meerblick. Die Horreos sind typisch für die Gegend und stehen überall herum – mal neuer, mal älter.

Wir folgen der Küstestraße und immer wieder bieten sich unglaubliche Einblicke, so z.B. in O Pindo, wo es auf beiden Seiten einen Strand gibt oder in Ezaro, wo der Strand flach ist und das Wasser helltürkis schimmert. Überall breiten sich endlose paradiesische Strände aus, die von Hügeln voll mit gelbem Ginster begrenzt werden.

Kurz vor Fisterra am Strand von Langosteira biegen wir zu unserem Stellplatz ab, fahren über Felder und durch kleine Weiler, dann steil bergauf. Schließlich parken wir auf einer kleinen Strasse in einer kleinen Haltebucht.

Die Aussicht auf die Halbinsel von Fisterra ist atemberaubend, man sieht zwar den Leuchtturm nicht, aber ein paar Häuser vom Ort, die Halbinsel inkl. vorgelagertem Felsen und die Wellen, die regelmäßig vom Atlantik in die Bucht rollen und teilweise unter Regenbogenfarben in der Sonne brechen.

Ich mache eine kleine Rund zum Sender rauf und dahinter zum nächsten Kap, rede mit Ziegen und Schafen und sitze lange in der Sonne im Windschatten. Die Wellen brechen an den Felsen unter mir, und das Meer glitzert in der Sonne.

Dann sitzen André und ich noch gemeinsam vor unserem Auto, trinken ein Bier und schauen aufs Meer bis die Sonne untergeht und Fisterra in ein oranges Zwielicht hüllt.

Am nächsten Tag ist galizischer Starkregen angesagt und genau so ist es. Alles ist grau in grau, dass man das Kap fast gar nicht sieht. Wir fahren zwar noch zum Leuchtturm vor, aber man sieht einfach nichts. Die Pilger kämpfen sich durch das schlechte Wetter – Fisterra ist für viele Pilger nach Santiago de Compostela das echte und letzte Ziel ihrer Pilgerreise.

Wir fahren weiter nach Norden an die Costa do Morte – weil es hier wegen des vielen Windes für Schiffe besonders gefährlich ist. An so einem Tag wissen wir auch warum. Den Leuchtturm von Cabo Vilan sieht man bei den Bedingungen kaum.

Schließlich suchen wir uns bei Malpica am Cabo San Adrian einen Stellplatz, gegenüber liegt die kleine Insel Sisarga Grande mit ihrem Leuchtturm.

Es reißt ein wenig auf und wir gehen direkt vom Auto zur kleinen Kirche hinunter und am Uferweg an der Küste bis vor die Insel und retour zum Auto hinauf.

Das Meer und die Vegetation duften herrlich, die Sonne wärmt sofort und die Wellen schlagen wie schon vertraut an die Felsen im Wasser.

Am nächsten Tag steht La Coruña auf dem Programm – seit Jahren hatte ich mir gewünscht, dorthin zu kommen!

Wir fahren von Nordwesten in die Stadt rein, an einem elendslangen Stadtstrand vorbei und parken gleich gegenüber dem Torre de Hercules – einem alten Leuchtturm, dessen Gründung noch auf die Römer zurück geht.

Den Leuchtturm kann man besichtigen und innen hinaufgehen, leider ist die Aussichtsplattform wegen starkem Wind gesperrt, aber auch so ist ein Besuch spannend. Man sieht, wie der Turm sich seit den Römern entwickelt hat, und wir gehen bis in den alten Feuerraum hinauf.

Irgendwie ist der Leuchtturm aber auch das spannendste der Stadt. Vom alten Castelo kommt man in den Hafen mit seinen hohen Häusern und verbauten Veranden. Irgendwie ist das ganze ein eigenartiges Erscheinungsbild – die Häuser sehen auf ihre Art uniform und auch steril aus. Aber bei dem hiesigen Dauerwind wird die Verglasung schon Sinn machen.

Über kleine Gassen kommt man auf den Hauptplatz ins Innere der Stadt. In den kleinen Gassen gibt es viele Restaurants und „Pulperias“, die vor allem Krake anbieten. Oft sind die Kraken auf Wasserkrüge gestülpt und warten darauf, gegessen zu werden.

In der Markthalle kaufe ich noch Fische für das Abendessen und eine Tarte de Santiago beim Bäcker.

Nachmittags fahren wir weiter zum Faro de Punta Frouxeira. Ein neuer Leuchtturm, dem man die alte Lampe wieder aufgesetzt hat. Auch hier bläst wie verrückt der Wind.

Unter dem Leuchtturm gibt es eine Art Bunker, drei Gänge, die miteinander verbunden sind, zwei davon führen zu Aussichtspunkten über den Felsen.

Zuerst denke ich, die Enden sind zugemauert, aber ich kann überall durchgehen. Irgendwie wirkt das Ganze aber sehr gespenstisch.

In Foz an der Nordküste checken wir für die Nacht auf einen Campingplatz ein.  Der nächste Tag zeigt sich grau in grau inklusive Regengüsse. Als der Regen ein wenig Pause macht, breche ich an der Küste entlang in den nahen Ort auf.

An der Küste ist ein sehr aufwändiger Weg aus Schieferplatten gelegt, wo man immer wieder auf die Felsen schauen kann. Hohe Wellen schlagen regelmäßig ans Ufer. Es gibt zwei große Strände, dazwischen immer wieder Abschnitte mit Felsen und Felseinschnitten. An ein paar Stellen wachsen die Hexenfinger in dicken Vorhängen die Felsen hinunter.

In Foz kehre ich in der Panaderia auf einen Café solo und eine Empanada Carne ein. Empanadas gibt es in Galizien und auch in Asturien oft – aber nicht in kleiner Taschenform, sondern blechweise.

Trotz Nieselregen will ich auf der Terrasse unter der Markise sitzen, weil ich es im Cafe nicht aushalte und frage mich, ob ich nun – nach so vielen Wochen unterwegs – keine geschlossenen Räume mehr vertrage?

Retour beim Auto, trinken wir erstmal Kaffee, essen die von mir aus Foz mitgebrachten Süßigkeiten und plaudern.

Dann checken wir, wo die nächsten Tage die Sonne scheinen wird und machen uns auf in Richtung Asturien und Oviedo.

2 Kommentare

  • Juliana 5. März 2019 um 12:08

    Sehr schön! Galizien kommt sicher auf die Reisewunschliste.

    Antwort
    • alex 8. März 2019 um 12:26

      es lohnt sich wirklich! windstopper an und los :-)!

      Antwort

Schreibe einen Kommentar zu alex Antwort verwerfen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.