An der Nordküste Spaniens durch Asturien, Kantabrien und das Baskenland

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Die Nordküste Spaniens wartet mit ein paar Überraschungen auf: Felsen wie Kathedralen, hohe schneebedeckte Berge, ein Strand ohne Meer, wasserspeiende Löcher und das beste Urlaubsessen überhaupt. 

Aus Galizien brechen wir noch im Grau des letzten Regens nach Osten auf. Wir wollen nach Oviedo und bleiben auf dem Weg an der Praia dos Cathedrais stehen. Die Wolken hängen noch tief, aber ein Besuch lohnt sich allemal. Wichtiger als auf das Wetter wäre noch auf die Flut zu achten gewesen. Beim Rückweg sind einige Passagen schon bedrohlich geflutet, aber wir klettern über die Engstellen hinweg.

Es sind ziemlich viele Menschen dort, aber bis zum letzten (und sehenswerten!) Ende muss man über viele Steine klettern und tiefe Rinnsale hüpfen, das hält viele ab. Dort sind auch die drei Felsdurchbrüche, die man wie Bögen in einer Kathedrale sieht. Rundherum gibt es mehrere Einschnitte und Felstore.

Nächstes Ziel ist Oviedo! Wir suchen in der Neustadt einen Parkplatz und gehen in die Innenstadt hinein. Und erstmal gleich in ein Restaurant zum Essen! Wir genießen in der Sonne nahe der Markthalte im Casa Bango (Calle Arco de los Zapatos) wunderbare Artischocken mit Jamon Iberico und Chipirones mit Ingwer-Majonäse.

Dann kaufen wir in der alten Markthalle Jamon Iberico und wunderbaren Asturischen Käse mit Blauschimmel ein. Der Käse – Cabrales – wird aus Kuh-, Schafs- und Ziegenmilch hergestellt und schmeckt wunderbar cremig. Auch Sidra (eine Art Most) nehme ich mit, aber der ist eher herb,  da werde ich nicht Fan von.

Wer Sidra mag: in der Calle Gascona reiht sich eine Sideria an die nächste, Oviedos Fressmeile sozusagen. Und bei Pan del Santumede (Calle Jovellanos, 14) bekommt ihr gutes Brot, eine große Auswahl an Keksen und süße sowie salzige Empanadas.

Wir schlendern durch die Stadt und zu einem alten mittelalterlichen Brunnen. Nach der Mittagspause um 16h stellen wir uns an der Kathedrale an. Die Kathedrale ist von außen eher unscheinbar, aber sehr sehenswert. Es gibt sogar einen Kreuzgang, ich habe aufgehört zu zählen, der wievielte unserer Reise dieser ist.

Oviedo kann sich echt sehen lassen: nette Gassen, alte Häuser mit Veranden, die alte Markthalle und die Kathedrale sind schon einen Besuch wert.

Anschließend fahren wir auf den Hausberg von Oviedo – den Monte Naranco zum Übernachten. Sehr idyllisch ist es hier nicht, aber wir finden einen Platz. In der Früh fliehe wir vor dem Mähtrupp zur Christusstatue hinüber zum Frühstücken.

Von dort hat man auch einen wunderbaren Ausblick über die Stadt mit den Bergen dahinter. Und wenn man sich umdreht, sieht man bis zum Meer! Das Haus, das so riesig hervorsticht, ist übrigens ein Shoppingcenter.

Am Monte Naranco gibt es auch prähistorische Kirchen, die wir uns gleich in der Früh ansehen wollen. Man kann nur mit Führung besichtigen und die ist in spanisch. Bei der ersten Kirche sind wir alleine, dann kommen Leute hinzu.

Ich versuche, mich auf die fremde Sprache zu konzentrieren und verstehe schon so ungefähr, aber nicht alles. Wenn es mir zu anstrengend wird, lasse ich eine Weile den Klang der fremden Sprache an mir vorüberziehen und betrachte das wunderschöne alte Gebäude. André versteht mehr und erzählt mir anschließend noch Details.

Das erste Gebäude war früher gar keine Kirche, sondern im 9. Jahrhundert ein Palast eines Königs, vor allem die Balkone, aber auch die Bögen im Inneren sind wunderschön gearbeitet. Das Gebäude ist auch noch original, so stehen wir vor den selben Säulen, wo schon der König im 9. Jahrhundert gestanden hat.

Retour geht es an die Küste und zum Cabo Peñas hinaus. Es ist wunderschön dort! Das Meer glitzert in blau und türkis, die Wiesen leuchten tiefgrün und landeinwärts sieht man die schneebedeckten Berge der Picos de Europa. Auf einem schmalen Felsgrat klettern wir bis zu einem Kreuz hoch über dem Meer.

Über den Felsen gibt es eine kleine Bar mit dem sprechenden Namen „Cuatro Vientos“, obwohl an diesem Tag der Wind gar nicht so wild ist.

Wir drehen die Runde um den Leuchtturm und fahren dann noch den Leuchtturm in Candás besuchen. Im selben Ort übernachten wir auch auf dem Campingplatz direkt am Meer.

Der nächste Tag beginnt bedeckt und wir statten dem Leuchtturm von Lastres einen Besuch ab. Das Bild am Leuchtturm ist irgendwie lustig: Kühe auf der Weide, dann der Leuchtturm, dann das Meer.

Dann fahren wir nach Lastres und gehen auf den Mirador. Wir vermuten, dass man hier eigentlich die Picos sehen kann, aber nicht an diesem Tag. Dafür werden wir in einer Bäckerei mit frischem Brot belohnt, das wir direkt in der Backstube mit ihren große Maschinen kaufen.

Wir wollen eine Wanderung zu den Buffones von Pria unternehmen. Es ist zwar kein Buffoneswetter, aber wir wollen trotzdem mal schauen, was man sieht. Buffones sind Löcher in der Erde, die durch die Brandung entstehen. Wenn die Flut hoch steigt und der Wind das Wasser von unten in die Löcher drückt, dann speien die Löcher Wasser in großen Fontänen. Diese Löcher haben somit eine Verbindung zum Meer.

Wir parken in einem kleinen Ort und gehen zur Küste hinaus. Dort treffen wir gleich auf eine Felsdurchbruch, fast wie eine Schlucht ins Landesinnere, wo es die Wellen hineinschlägt. Wir klettern dort ein wenig herum und lassen uns dann auf einem Plateau zum Mittagessen nieder. Wir sitzen gemütlich in der Sonne, essen und schauen über die Felsküste.

Und obwohl nicht Buffoneswetter ist, gibt es einiges zu entdecken! Der erste Buffon grummelt wie ein latenter Donner vor sich hin, sogar die Erde bebt ein wenig. Ein anderer macht wie ein Händetrockegerät: er bläst auf einmal ganz kräftig Luft raus, die darunter durch die Brandung herausgedrückt wird. Ein anderer pfeift ganz laut, wenn die Luft rausgedrückt werden.

André lässt sogar seinen Hut von einem dieser Löcher durch die Luft wirbeln. Wir haben einen ziemlichen Spass mit den Buffones auch wenn sie kein Wasser spucken, ein Besuch lohnt sich unbedingt!

Und um den Tag mit weiteren originellen Sehenswürdigkeiten zu füllen, fahren wir zum Strand Gulpiyuri – ein Strand ohne Meer und ein wenig crazy!

Mitten in grünen Feldern gibt es dort einen Strand an einer Felswand, der über eine Schlucht vom Meer mit Wasser versorgt wird. Irgendwie sie das Setting ganz eigenartig aus…

Diesen Abend haben wir einen Stellplatz beim Faro Punta San Emeterio. In der Nähe befinden sich die Ruinen der Iglesia de Santa Maria de Tina, wo wir im letzten Sonnenlicht noch hinwandern. Der Weg geht steil durch den Wald und die Iglesia liegt idyllisch auf einer Lichtung.

Am nächsten Tag fahren wir weitern nach Osten und sind nun in Kalabrien, die Wiesen sind froschgrün, die Küsten felsig oder haben riesige Strände, teilweise gibt es lagunenartige Bereiche, wo das Meer ins Landesinnere schwappt.

Irgendwie bin ich beruhigt, dass Spanien nicht nur so wüstenmäßig wie im Süden ist. Hier ist die Landschaft fast lieblich.

Erstes Ziel an diesem Tag ist Comillas. Zuerst gehen wir zum Palacio de Sobrellano hinauf. Gegenüber liegt das große rote Gebäude der Universität. Die Gebäude sind wuchtig in neugotischem Stil gehalten. Die rötlichen Steine geben dem Ganzen ein besonders Flair.

Aber eigentliches Ziel ist  das „El Capricho“ – ein Haus, welches Gaudi für einen privaten Geschäftsmann geschaffen hat. Ich finde diese Architektur sehr spannend, zudem erfährt man viele Details über die Funktionsweise des Hauses. Es gibt gegengleiche Schiebefenster, dazu Blumenkacheln und bunte Fenster. Ich bin sehr positiv überrascht, damit hätte ich an diesem Standort gar nicht gerechnet.

Im Ort kaufen wir noch neuen Käse, Brot und Tapas im regionalen Delikatessladen „Aramburu“ ein – ich liebe solche Läden! Besonders empfehlenswert und typisch sind „Gildas“, das sind kleine Spießchen mit regionalen grünen (milden) Pfefferoni, Oliven und Sardellen!

Zum Mittagessenfahren wir zum Faro von Suances. Wir klettern dort auf die Klippe hinunter, breiten unsere Decke in der Sonne aus und lassen es uns gut gehen. Eine Weile sitzen wir dort und schauen vor uns hin.

Bei Santander vorbei geht es nach Sartoña für eine Wanderung . Zuerst gehen wir zum Faro del Pescador hinunter, dann durch den Wald auf die Ostseite des Berges.

Zum Faro del Caballo führen 762 Stufen, und uns ist zuerst gar nicht so richtig bewusst, was das heißt. Aber natürlich wollen wir den Leuchtturm sehen und gehen vom Pfad im Wald fast bis auf Meeresniveau hinunter. Die Stufen sind teilweise richtig hoch, wir gehen an einer Felsmauern vorbei, auf einem schmalen Steg bis zum Leuchtturm hinunter und auf die kleine Plattform hinaus.

Die Lage ist wirklich einzigartig. Wir müssen dann zwar die Treppen alle wieder hinauf, aber ich bereue den Abstecher nicht. Durch den Wald – mit massenhaft Lorbeerbäumen – gehen wir dann zum Auto retour.

Für den nächsten Tag steht Bilbao auf dem Plan. Wir betreten somit das Baskenland und Bilbao empfängt uns mit Nebel und Dunst. Wir wollen zuerst zum Transbordeur – der Puente Colgante. Zuerst verfahren wir uns, dann gehts durch enge Gasserl, wo wir mit unserem Bus ganz schön ins Schwitzen kommen. Aber wir finden ein Parkhaus und gehen zur Brücke hinunter.

Wobei das keine normale Brücke, sondern ein Stahlgerüst über den Fluss und unten hängt eine Kabine dran, wo 6 Autos in der Mitte Platz haben und eine Menge Menschen in den Seitengängen. Das ganze wird über den Fluss gezogen und Schiffe können gleichzeitig durchfahren. Wir fahren auf die andere Seite und gehen ein wenig am Fluss entlang bis wir wieder retour sehen.

Für die Überfahrt nehmen wir auch den Transbordeur, lassen unser Auto auf die andere Seite schaukeln und fahren ins Zentrum. Vorbei am Guggenheimmuseum vorbei geht es in die Innenstadt.

In der Calle del Músico Ledesma sind total viele Bars, überall sind Tapas in Bergen auf den Tresen aufgeschichtet, die Leute stehen auf der Straße und plauderm und trinken. Sehr nette Atmosphäre!

Wir besuchen den Bahnhof Abando mit seinem alten Fensterbild und den Bahnhof Concordia mit seinem alten verzierten Eingang.

Dann gehen wir über die Brücke und drehen noch eine Runde durch die Altstadt. Hier sind die Häuser deutlich älter und stehen enger, aber die Atmosphäre ist nicht so nett wie mit den vielen Bars.

Nach einem Abstecher zum Plaza Nueva mit seinen Arkaden gehen wir ins Porrue – ein Lokal das ich rausgesucht hatte, weil sie Entenmuscheln haben. Und die muss ich unbedingt noch probieren, bevor wir das Land wieder verlassen.

Und es ist wundervoll! Es ist ein Slow Foodlokal noch dazu, lokale Produkte aus der Region, kreative Gerichte. Das Ambiente ist fein und modern, aber wir fühlen uns nicht fehl am Platz in unserem campingmäßigen Aufzug.

Zuerst bekommen wir Brot mit Olivenöl (drei Sorten zur Auswahl), welches aus Aragonien von 600 Jahre alten Bäumen stammt. Dann genießen wir Tatar von Jakobsmuscheln mit Gaspacho, Pimientos de Patron mit knusprigem Salz, Entenmuscheln auf Buchenholz gegrillt, Guisantes (eine kleine Erbsenart) mit Niedrigtemperaturei, Pulpo gegrillt mit Mousse aus Mango, darauf Fischeier (mit rotem Glitzer!). Als Dessert – ein Geschenk des Hauses – wird Eis aus Käse (schmeckt wirklich leicht nach Parmesan) und ein kleiner Reiskuchen serviert.

Die Entenmuscheln sind gar nicht so leicht zu essen. Sie haben um das Muschelfleisch eine doch recht feste Haut, die man am Kopf lösen und abziehen muss. Die sitzt ziemlich fest und ist dick wie Leder. Darin ist dann die eigentliche Muschel, ein länglicher Teil mit starkem Meergeschmack und ziemlich weich und schlabbrig. Im vorderen Kopfteil sitzt noch Fleisch mit winzigen Fangarmen. Ich finde das ganze sehr spannend, aber mein Lieblingsessen wird das nicht, weil zu schlabbrig.

Alles in allem ist das Lokal sehr zu empfehlen, ich bin sehr zufrieden mit meiner Auswahl und finde im Nachhinein, dass wir hier das beste Essen des Urlaubes hatten.

Als wir aus dem Lokal raus kommen, ist der Neben verflogen und das Guggenheim-Museum leuchtet in der Sonne. So kommen die glänzenden Fassaden gleich viel besser zur Geltung.

Von Bilbao fahren wir nach Norden auf eine Halbinsel zum Leuchtturm Matxitxako, wo wir übernachten wollen. Und ja der heißt wirklich so, diese baskischen Wörter sind einfach unmöglich zum Aussprechen! Beim Leuchtturm ist ein reges Kommen und Gehen an Leuten. Wir sitzen noch eine Zeitlang auf der Mauer vor unserem Auto in der Sonne und schauen und hören zu.

Es kommt noch ein zweiter Bus, und es stellt sich heraus, dass es Südtiroler sind. Wir plaudern ein bisschen, tauschen Reisegeschichten aus. Später beginnt dann der Leuchtturm zu leuchten und ich versuche mich an nächtlichen Leuchtturmfotos, mehr dazu erzähle ich euch in einem extra Beitrag. Denn endlich einmal sind die Fotos mit den Lichtstrahlen des Leuchtturmes auch richtig gut geworden.

Gleich direkt vom Leuchtturm fahren wir zum Parkplatz von der kleinen Insel Gaztelugatxe, die anscheinend in einer Game of Thrones Episode mitspielt. Auf dem Normalweg gibt es Bauarbeiten, so gehen wir auf der alten Strasse zum Inselchen hinunter.

Der Ausblick auf und von der Insel ist super! Sie ist nur über eine alte Steinbrücke mit dem Festland verbunden, die steil ins Meer abfällt. Danach schwitzen wir uns wieder zum Auto retour. Inzwischen ist hier auch allerhand los, gut, dass wir so früh unterwegs sind.

Das Baskenland habe ich mit ziemlich vielen kurvigen Bergsträsschen in Erinnerung. Mal rauf, mal runter, durch dichten Wald, ab und zu durch ein Dorf, das in einer kleinen Bucht klebt und sich zum Meer öffnet. Die Fahrt zieht sich so endlos hin.

Nachmittags checken wir beim riesigen Campingplatz von Zarautz ein, der supervoll ist, weil langes Wochenende. Immerhin bekommen wir unsere Wäsche gewaschen, aber sind froh, als wir am nächsten Morgen wieder weiterfahren können.

Am nächsten Morgen – ein Sonntagmorgen – ist San Sebastian unser Ziel. Gut, weil am Sonntag wenig los ist, aber auch sehr gemächlich und verschlafen. Wir machen einen Spaziergang auf den Haushügel, den Urgull, von dem man einen wunderbaren Blick über die Concha-Bucht hat. Dann gehen wir noch an den Hafen hinunter.

Es sind ziemlich viele Menschen unterwegs, flanieren herum, zudem ist die Stimmung sehr nobel und abgehoben. Ich würde ja gerne noch in eine Bar gehen, aber es ist einfach noch zu früh und in der Stadt sonst nicht viel zu sehen. Für die zahlreichen Bars werde ich wohl extra mal wiederkommen müssen. Wenn ich San Sebastian mit Bilbao vergleiche, dann ist San Sebastian nobler, Bilbao unmittelbarer und bodenständiger. Aber genug Bars haben wohl beide Städte.

Nach vielen Wochen auf der iberischen Halbinsel fahren über die Grenze nach Frankreich und nach Espelette. Dort läuft gerade ein Dorffest mit entsprechendem Rummel auf Hochtouren, aber wir kaufen doch ein paar Produkte ein und vor allem einen Vorrat an Piment d’Espelette direkt vom Erzeuger!

Nächstes Ziel ist das Perigord, wo wir noch ein paar Tage in Ruhe und fernab des atlantischen Windes genießen wollen.

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