Brot aus dem alten Holzbackofen

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Ich backe ja fast alles Brot selber, das wir essen, aber immer im Backrohr zu Hause. Diesmal aber konnte ich mein Brot in einem alten Holzbackofen ausprobieren, vertraute Arbeiten, aber trotzdem ganz anders.

Irgendwie wusste ich nicht ganz, was sie von mir will, als mich am Anfang des neuen Jahres eine Freundin gefragt hat, ob ich mit meinen Broten zu ihrer Schwester kommen will und gemeinsam Brot backen. Die Schwester hat in ihrem Garten den alten Holzbackofen wieder in Betrieb genommen, und sie wollten meine Brote ausprobieren und von mir ein paar Tricks abschauen.

Also haben wir vereinbart, dass ich einen Sonntag Mitte Jänner aufs Sonnenplateau komme und Zutaten oder auch Vorteige für ein paar Brotsorten mitbringe. Sie würden auch ein paar Teigsorten vorbereiten, und gemeinsam wollten wir diese dann im alten Holzofen backen.

Ich komme beim alten Bauernhof an, wo die Schwester wohnt. Die Lage ist phantastisch: Süd-West-ausgerichtet, gegenüber kommt die Sonne ein wenig durch die Wolkendecke und gibt schneebedeckte Berge frei. Hinter dem Haus ragt majestätisch die Bergkette im Süden auf. Der Hof steht unter Denkmalschutz und ist aufwändig rennoviert worden. Und liebevoll: die alten Bemalungen wurden erhalten, es gibt wohnliche Räume mit viel Holz im Inneren. In der Küche steht ein alter Feststoffbrennofen neben einem modernen Herd.

Neben dem Haus wohnen ein paar Hühner in einem kleinen Stall und Freiraum rundherum. Über Nacht hat es ein wenig geschneit und die Damen sind ein wenig empört, weil sie ihre Pfoten nicht in das kalte Nass setzen wollen. Ein bisschen beleidigt gackern sie vor sich hin.

Hinter dem Haus steht der alte Brotbackofen unter einem offenen Stadel. Die Zugangsluke aus dickem Stahl, darüber zwei offene Luken, damit das Feuer beim Einheizen genug Sauerstoff bekommt. Später werden die Öffnungen mit Holz und alten Kaffeesäcken verstopft.

Wir bereiten in der warmen Küche die Teige in grossen Wannen und Schüsseln vor. Dann dürfen sie neben dem warmen Ofen gehen. Inzwischen wird das Feuer angeheizt und auch mehrmals nachgelegt, damit der Ofen die notwendige Temperatur von rund 250°C bekommt. Viel heisser darf er auch nicht werden, sonst werden die Brote zu dunkel.

Rund 45 Minuten vor dem Einschiessen werden die Brotteige in Laibe geformt und auf ein riesiges Brett gesetzt. Die Hausherrin hat grobes Roggenbrot und ein Roggen-Weizen-Hausbrot angesetzt. Ich habe mein klassisches Roggen-Mischbrot mitgebracht, ebenso einen Teig für Chiabatta und einen weissen Laib angesetzt. Alle Brote sollen rund 600g haben, damit sie auch ungefähr die gleiche Zeit zum Backen brauchen.

Schnell füllt sich das grosse Brett, 35 Laibe zu 600g werden vorbereitet und wieder fein säuberlich abgedeckt.

Wenn die Decke des Ofens ganz weiss wird und der Ofen die richtige Temperatur hat, wird die Holzkohle aus dem Ofen herausgeholt. Zuerst mit einem Schieber aus Holz, dann mit einem nassen Besen und zum Schluss mit einer Art textilem Besen, dem sogennanten „Hudel“. Zudem wird durch das nasse Auskehren gleich Feuchtigkeit in den Ofen gebracht, die das Brot für die Krustenbildung braucht.

Die Hausherrin muss schon die groben Handschuhe anlegen, um vor der Hitze geschützt zu sein und tritt immer wieder vom Ofen weg, um sich abzukühlen. Die glühenden Kohlen werden in einem grossen metallenen Zuber aufgefangen. Und wir lernen die 1. Lektion: Brotbacken immer mit Grillen in der Wartezeit verbinden. Die Glut ist perfekt, um direkt ein paar Würstel aufzulegen und reicht für eine Grossfamilie.

Da der Boden des Backofens nicht ganz eben ist, bleiben immer ein paar Kohlestücken zurück. Macht aber nichts, das Brot hat dann halt mal hier und dort ein paar Ascheflecken, aber so ist das eben, wenn man auf traditionelle Art Brot bäckt.

Eins nach dem anderen werden die Brote in den Ofen „geschossen“. Die groben Roggenbrote eher weiter hinten, die Weissbrote vorne. Wobei der Ofen rund 40 Brote mit 600g aufnehmen kann und mit unserer Ladung eh schon gut ausgelastet ist.

Die Schaufel zum Einschießen hat einen unglaublich langen Stiel, was das Hantieren ein wenig schwierig gestaltet. Während des Einschiessens müssen wir aufpassen, dass vor dem Ofen niemand herumsteht und in Reichweite der langen Schaufel gerät.

Dann wird die Luke verschlossen und erst nach 15 Minuten nochmal kurz geöffnet, damit Dampf entweichen kann.

Während das Brot bäckt, stellen wir noch ein paar Germzöpfe her, die wir nach dem Brot in der Restwärme backen wollen. Als wir dann in den Garten kommen, breitet sich schon wohliger Brotgeruch rund um den Brotofen aus.

Nach rund 35 Minuten kontrollieren wir die ersten Brote, aber beschliessen, sie noch ein wenig länger drinnen zu lassen, weil sie noch nicht gut hohl klingen, wenn man auf ihre Unterseite klopft. Nach rund 45 Minuten sind sie dafür genau richtig.

Eines um das andere wird herausgeholt und zuerst in einem grossen Korb gesammelt, dann auf dem grossen Brett nach Sorten geordnet aufgelegt. Die Zöpfe dürfen nun in der Restwärme backen.

Und dann kommt der spannendste Moment des Tages: wir schneiden die noch warmen Brote an, um sie zu verkosten.

Die Roggen-Weizenmischbrote (drei an der Zahl) haben zwar alle ähnliche Zutaten, aber schmecken doch unterschiedlich. Das eine deutlich nach groben Roggen, das andere nach Kümmel, das dritte zart nach Brotklee. Die Kruste ist knackig und wird beim Abkühlen noch kompakter. Die Chiabattas haben sich dick aufgebläht und einen recht ausgewogenen Geschmack, nur die weissen Laibe sind uns zu unausgewogen.

Dann können wir auch die Zöpfe aus dem Ofen holen, die in der Zwischenzeit goldbraun gebacken sind. Sie duften herrlich nach Butter und Zucker.

Nur die Zopfform mit ihren Winkeln und Knicken ist für den Ofen und die Einschiesstechnik nicht optimal. Wahrscheinlich wäre es besser, eine Art kompakten Laib ähnlich wie Osterpinzen herzustellen.

Wir resümieren unseren Backtag bei einer Tasse Kaffee und dicken Schnitten frischem Zopf in der Küche des alten Bauernhauses.

Die Hausherrin und meine Freundin wollen ab Frühjahr einmal im Monat Brot backen. Und ich hoffe, dass ich auch mal wieder dabei sein kann. Vielleicht ja wieder neue Brotsorten probieren? Wir werden sehen…

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