Im Lahemaa Nationalpark

In Estland gibt es eine Reihe spannende Nationalparks mit Naturlandschaften, die so ganz anders sind als bei uns in den Bergen. Einer davon ist der Lahemaa-Nationalpark, den wir ein paar Tage besucht haben.

Die Nacht vor dem Lahemaa-Nationalpark verbringen wir an einem originellen RMK-Platz mit dem Namen Raketi-Baasi. Hier war zu Sowjetzeit Sperrgebiet, weil dort Atomsprengköpfe in Stellung gebracht waren. Die Einheimischen werden wohl aber doch gemerkt haben, dass da was vor sich geht. Heute sieht man die alten Hanger unter dichten Bewuchs, sogar Bäume stehen drauf.

Der RMK-Platz ist inmitten der alten Hallen, die wir erkundet haben, sofern wir sie überhaupt gefunden haben. Und da die Zufahrt recht lange auf unbefestigten Strassen verlief, waren wir dort auch ziemlich alleine und in Ruhe.

Am nächsten Tag wollen wir als erstes eine Radtour auf der Käsmu-Halbinsel machen. Schon auf dem Weg dorthin fahren wir durch endlose Waldgebiete. Der Nationalpark besteht generell aus viel Wald, durch den sich schier endlos die schmalen Strassen ziehen.

Wir parken ein wenig vor dem eigentlichen Parkplatz, weil die Forststrasse so matschig und eng ist und steigen auf die Fahrräder um. Ein wenig weiter ist ein RMK-Parkplatz, dann beginnt der Radweg im Wald.

Wir jausnen an einem Strand, sitzen in der Sonne und schauen übers Meer. Dann fahren wir zur nördlichen Spitze raus. Das Gebiet ist für seine Findlinge bekannt, schon hier liegen überall riesige Steine im Meer. Die Vögel sammeln sich darauf.

In der letzten Eiszeit haben die Gletscher diese Findlinge aus Granit aus Finnland an die Nordküste Estlands gebracht, die liegen nun gut sichtbar im Meer, an der Küste und auch im Wald.

Im Wald kann man die Findling alle besuchen, der grösste hat einen Umfang von 23,4m und heisst Matsikivi. Gleich bei den Findlingen gibt es eine Schaukel, die irre lange Seile hat, wo sich das Schaukeln fast wie fliegen anfühlt.

Dann fahren wir nach Käsmu und dort an die Nordspitze. Käsmu selbst ist ein sehr netter kleiner Ort mit vielen sehr schön hergerichteten Holzhäusern.

Wir kehren zum Auto retour, die Radrunde haben wir ein wenig unterschätzt, knapp 24km werden es in Summe, und ein Großteil der Stecke führt auf schmalen Wegen direkt durch den Wald.

Am nächsten Tag fahren wir nach Altja und machen eine kleine Radrunde zu den alten Bootschuppen raus. Am Weg sind auch andere nette alte Häuser und ein Ziehbrunnen, an dem wir die Technik ein wenig üben: Eimer hinunterlassen, wieder raufholen und herausschwenken.

Dann radeln wir noch am Strand weiter, der sich gegen Süden erstreckt. Am Rand wachsen Pinien, der Strand erstreckt sich in mehreren Kurven, und wir sind ganz alleine dort.

Ich hätte ewig dort sitzen können und übers Meer schauen, es ist einfach herrlich ruhig: nur wir, der Strand und das Meer. Und ein paar Vögel, die auf den Steinen sitzen oder zu fischen versuchen.

Wir fahren an den nördlichsten Punkt von Estland auf der Halbinsel von Loksa. Eigentlich scheint die Sonne, aber an der Spitze weht uns ordentlich der Wind um die Nase. Auch hier gibt es viele Findling und wir fragen uns, ob es auch Seehunde gibt, sehen aber keine.

Einen kurzen Stopp legen wir im Kolga ein, wo wir kurz das alte Herrenhaus anschauen. Das ganze Areal ist riesig und im Renovierung. Das muss früher sehr herrschaftlich gewesen sein. In der Gegend gibt es einige Herrenhäuser, die man auch besuchen kann. Aber wir radeln lieber durch die Wälder und über die Strände.

Letztes Ziel des Tages ist das Moorgebiet Viru Raba. Eigentlich wollten wir da gar nicht mehr hin, aber das Gebiet ist grossartig. Wieder ein Phänomen, das so anders ist, als alles, was wir aus Tirol kennen. Wir gehen zum Aussichtsturm vor, von dem man sieht gut die schwarzen Moorseen sieht.

Zwischen den Seen kann man über Holzstege durchgehen. Wir stöbern eine Entenfamilie auf, wuscheln durch Wollgras und bewundern die dunklen Seen, in denen sich die kargen Bäume spiegeln.

Es gibt auch eine Schwimmstelle an den Moorseen, aber ich habe meine Badesachen nicht mit. Dafür bade ich später im Schwimmteich am Campingplatz, der an den dortigen See anschliesst.

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