Gute Ernährung für alle? Für alle!

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Am 13. Oktober fand im Landhaus in Innsbruck eine erfolgreiche Veranstaltung zum Thema „Ernährungssouveränität“ statt, wo ich bei der Planung mitwirkten durfte. Die Stimmung war sehr gut und die Diskussionen spannend und fruchtbar. 

Gleich zum Einstieg gab es eine Fish-Bowl mit unterschiedlichen VertreterInnen aus Politik, Wissenschaft, Landwirtschaft und Handel (Franz Fischler, Belachew Gebrewold vom MCI, Petra Gruber von der Uni Linz, Ingrid Heinz vom M-Preis, Claudia Sacher vom Feldverein und Maria Vogt, eine Biobäuerin aus dem Marchfeld). Themen waren der Einfluss der Agrarindustrie auf die Struktur der Landwirtschaft, der Klimawandel und die Feststellung, dass wir einen Paradigmenwechsel brauchen.

In der nachfolgenden Diskussion beteiligten sich viele Interessierte, wo die Frage aufgeworfen wurde, wie man Veränderungsprozesse einleiten und regionale Kleininitiativen fördern könnte. Denn die vielen regionalen Initiativen werden notwendig sein, wenn man gemeinsam Veränderung erreichen will. Aber Veränderungsprozesse sind oft schwierig, die Menschen wollen Risiko vermeiden und bleiben oft in alten Strukturen verhaftet, anstatt Neues auszuprobieren. Hier müssten sie unterstützt werden, neue Wege zu gehen. 

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Auch die Politik sei gefordert, um die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Fairer Handel mit Lebensmittel muss auch regional verankert werden, die BäuerInnen sollten von ihrem Ertrag auch leben können, zudem geht es um die Wertschätzung der bäuerlichen Arbeit und der Lebensmittel. Lebensmittel, die im Müll landen, und wie man die Menge reduzieren könnte, wurden diskutiert. Die Meinung war, dass die KonsumentInnen immer kritischer werden und auch mehr nach Biolebensmittel verlangen würden.

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In seiner anschießenden Keynote bezog sich Franz Fischler auf die Sustainable Development Goals. Hier sei noch viel zu tun, ohne globale Ernährungssicherheit könne es auch keine globale Sicherheit geben. Viele Konflikte in der Welt aber auch Flüchtlingsbewegungen haben ihren Auslöser in Hungernöten der Bevölkerung. In Afrika habe sich in den letzten Jahren hier viel getan.

Wir sollten nur aufpassen, dass wir unsere Art der Lösungen nicht einfach exportieren. Vielmehr sollte auf die regionalen Gegebenheiten eingegangen werden und die Menschen und ihre Ausbildung vor Ort unterstützen, weil diese über das regionale Klima und die Strukturen besser Bescheid wissen. Bildung ist hier ein Schlüssel, um den notwendigen Wandel einzuleiten.

Spannend fand ich auch, dass die ärmsten Länder ident sind mit jenen, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind – und am wenigsten dazu beitragen. Wir müssen auch lernen, mit der Komplexität der Systeme besser umzugehen und passende Lösungen zu suchen. Zudem hat Franz Fischler kritisiert, dass viele Länder Hilfe versprechen, die dann aber ausbleibt. Auch Österreich ist hier keine Ausnahme.

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Ein weiterer spannender Beitrag kam von Petra Gruber, die sich seit langer Zeit mit Nachhaltigkeit auseinandersetzt. Sie stellte die Landwirtschaft und das Ernährungssystem in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen. Das Ökosystem bietet dazu die Leitplanken. Landwirtschaft schafft Arbeitsplätze, aber nicht nur! In vielen Ländern gibt es akuten Handlungsbedarf, immer noch wollen Firmen schnelles Geld auf die Kosten der Menschen vor Ort machen. Fehlende Mitspracherechte der Bevölkerung vor Ort, Benachteiligung von Frauen und Verletzung der Menschenrechte sind hierbei an der Tagesordnung.

Die politischen Ziele sind oft zu vage formuliert, der Umsetzungszeitraum fehlt und die Ziele sind wenig verbindlich. Die Bauern sollen wieder sich selber und jene, die nicht in der Landwirtschaft arbeiten, ernähren können . Hier braucht es Beratung und Initiativen, um die Abhängigkeit von Konzernen zu reduzieren. Wichtig ist indigenes Wissen vor Ort, um die besten Lösungen regional erarbeiten zu können. Oft ist die Finanzierung der springende Punkt – hier muss die Politik ihren Teil beitragen.

Petra Gruber forderte uns alle auf, auch einen Beitrag zu leisten! JedeR kann etwas tun. Ein Paradigmenwechsel sei notwendig, das System sei immer noch von männlichen Allmachtsfantasien und Fortschrittsgläubigkeit geprägt. Andererseits haben viele dieses Weltbild satt. Aber es wird keine einfachen Antworten geben.

In der Mittagspause nutzte ich die Gelegenheit, mit unterschiedlichen AusstellerInnen auf dem Marktplatz der Möglichkeiten zu reden. Viele Initiativen waren vertreten wie „Wir für Bio“, „Bio vom Berg“, das Welthaus, der Weltladen etc. Es gaben Kostproben, Infomaterial und alle waren eifrig dabei, sich auszutauschen und Neues zu erfahren.

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Nachmittags gab es dann die Möglichkeit, an unterschiedlichen Workshops und Stadtspaziergängen mitzumachen. Die Themen reichten hier von Slow Food über den Fairen Handel bis zu ethischem Konsum.

Ich nahm an dem Stadtspaziergang in die Bäckerei teil. Dort wurde einmal die dort beheimatete Foodcoop und der Feldverein vorgestellt.

Rund 60 Haushalte bilden die Foodcoop, die selber bei ProduzentInnen ihre Lebensmittel besorgt und an ihre Mitgliederweitergibt. Dadurch kennen sie die ProduzentInnen ihrer Lebensmittel und kaufen regional, viele der ProduzentInnen sind zudem biozertifiziert. Jedes Mitglied übernimmt Arbeiten in der Foodcoop, so dass kein zusätzlicher finanzieller Aufwand entsteht. Ein sehr spannendes Konzept, wie ich finde. Leider steht und fällt es mit dem Lagerort und dessen Nähe zum Wohnort. Wenn man dann wieder mit dem Auto zum Abholen der regionalen Lebensmittel fahren muss, macht das wenig Sinn, finde ich .

Der Feldverein nutzt Ungenutztes und hat sich in den letzten Jahren so gut vernetzt, dass es inzwischen kein Problem mehr ist, an ungenutztes Gemüse zu kommen. Dieses wird teilweise selber geerntet, teilweise zur Abholung bereitgestellt. Darüber hinaus gibt es Menschen, die z.B. einkochen helfen oder Marmeladegläser spenden. Gut genutzt werden auch die regelmäßigen Suppenlieferungen als Mittagessen.

Die Bäckerei mit ihrem Gemeinschaftsgarten am Dach fand ich einen spannenden Ort für solche Diskussionen.

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Zurück bei der Tagung stellte jede Gruppe vor, was sie im Workshop diskutiert hatte. So bekamen wir alle einen Überblick über die Vielzahl der Themen, die im Rahmen der Workshops behandelt wurden.

Ich habe aus dem Tag sehr viel mitgenommen, viele Gedanken, Anregungen. Zudem konnte ich wieder neue Kontakte knüpfen. Ich hoffe, dass noch viele solche Veranstaltungen folgen!

Und als letztes möchte ich noch die tolle Moderation von Ruth Buchauer und Rainer Krismer hervorheben, die es durch ihre professionelle Führung durch den Tag geschafft haben, die TeilnehmerInnen einzubinden und selber zu Wort kommen zu lassen!

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