Vercors – ein Stück wildes Frankreich

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Schon mehrmals sind wir auf der Durchreise durch den Vercors gefahren, seitdem wollt ich dorthin und eine längere Zeit dort verbringen. Diesmal waren wir rund eine Woche dort wandern – und haben es nicht bereut.

Von Bourg-Saint-Maurice fahren wir nach Grenoble und ein wenig weiter nach Westen, dann steil die Geländekante durch schluchtartige Strassen hinauf. Gleichzeitig wird es merklich kühler, was für unsere Wandervorhaben durchaus zuträglich sein kann.

Bei St. Julien biegen wir auf eine schmale Strasse ab, die in eine Forststrasse mündet. Wir fahren weiter bis wir an eine Kreuzung im Wald kommen – hier parken wir unseren Bus für die nächsten zwei Tage.

Gleich abends gehen wir zur Geländekante vor und an deren Rand entlang. Direkt vor uns bricht der Fels abrupt ab, Wälder breiten sich auf der Ebene darunter aus. Gegenüber bildet eine zweite Felswand die andere Begrenzung des unter uns liegenden Tales.

Die Sonne versinkt in romantischen rot- bis Violetttönen im Westen, die Felsen scheinen zu brennen und versinken dann in der abendlichen Dämmerung.

Am nächsten Morgen wandern wir direkt vom Auto in Richtung Pas de l‘Allier los. ein alter Übergang, der mit gelegten Felsen die Felswand hinunter zieht. Steil steigen wir ab, gehen am Fusse der Felswand entlang und am Pas de Voute wieder auf die Hochebene hinauf. Der Blick über das Tal ist herrlich, die Felswände sind einfach sehr beeindruckend.

Abends packen wir Zelt und Schlafsäcke – wir wollen an der Felskante übernachten und dort den Sonnenaufgang genießen.

Wir gehen an eine ähnliche Stelle wie am Vorabend und beginnen mit dem Aufbau:

Abends sitzen wir wieder an der Kante, trinken ein Bier und beobachten wie die Sonne hinter den Felsen versinkt. Dann kriechen wir in unsere Schlafsäcke.

Aber so nett wie gedacht wird die Nacht nicht. Die Liegematten sind unbequem, es zieht vom Eingang rein und der Wind rüttelt in den Morgenstunden am Überzelt. Noch vor Sonnenaufgang stehen wir auf, der eiskalte Wind kriecht unter unsere dicke Jacken. Ich bleibe trotzdem noch so lange bis die Sonne die Felsen rot färbt, bevor ich mich dann im Auto bei Kaffee und Marmeladebrot aufwärme.

Da wir nicht viel geschlafen haben, sind wir an dem Tag nicht für so viel zu gebrauchen. Wir gehen in St. Marcellin auf den Markt und decken uns mit Käse und Gemüse ein. Dann besichtigen wir die Kirche von Saint-Antoine-l’Abbaye.

Zuletzt checken wir im Campingplatz von Beauvoir-en-Royans ein. Dieser liegt in einem alten Burghof, daneben steht noch ein alter Turm und die Verwaltung befindet sich im dazugehörigen herrschaftlichen Haus. Und der Name des Dorfes ist auch Programm: direkt vom Campingplatz hat man einen wunderbaren Blick auf die Ebene im Norden.

Am nächsten Tag sind wir wieder fit und bereit für neue Taten. Wir fahren wieder auf die Hochebene hinauf und gehen ins Tal des Bournillon zur Porche de Bournillon hinein. Als wir glauben, es geht nicht weiter, führt der Weg noch ein wenig bergab und dann rechts in die Höhle hinein. In der Höhle steht kristallklares Wasser, am Rand sind einige Befestigungen, weil das Wasser das darunterlegende Kraftwerk speist. Wir klettern ein wenig in der Höhle herum und entdecken immer neue Ausblicke.

Dann versuchen wir, ein wenig näher zum Wasserfall zu kommen, der sich nahe der Höhle über die aufragenden Felswände stürzt. Das ganze Ensemble mit den steilen Felswänden, der Sonne, die darüber blitzt und dem in dünnen Strähnen fließendem Wasser ist so grossartig!

Nachmittags fahren wir nach Pont-en-Royans: das Dorf ist für seine schöne Lage an der Bourne bekannt. Im Dorf findet gerade ein Kletterfestival statt, so tummeln sich massig Menschen am Flussufer. Es wird im Springbrunnen gebadet, junge Mädchen klettern an Felsen hinauf und springen von dort ins Wasser und über dem Fluss versucht sich ein Mann auf einer Slackline. Im kleinen Park am Fluss picknicken die Menschen, spielen mit ihren Kindern oder jonglieren bunte Bälle. Wir wandern ein wenig herum, machen Fotos von den pittoresken Häusern am Fluss.

Wir beschließen, noch am selben Abend in den südlichen Teil des Vercors zu fahren, in die Region des Mont Aiguille. Dazu muss man bei Lans vom Plateau in das Tal im Osten fahren, dort nach Süden und bei Chichilliane wieder nach Westen. Wir wollen gleich am nächsten Morgen zum Pas de l’Aiguille aufbrechen und parken unser Auto dort, wo der Wanderweg anfängt.

Um kurz vor 5h läutet der Wecker, um kurz nach 5h sind wir schon am Weg und knabbern einen Keks als Stärkung. Die erste Stunde geht es im Stockfinsteren den Wald hinauf. Wir kennen den Weg nicht, wir kennen die Umgebung nicht. Wir gehen einfach, ich klicke einfach alles weg, gehe vor mich hin und hoffe auf den Morgengrauen.

Als wir aus dem dichten Wald heraus kommen, sehen wir den ersten Lichtstreifen im Osten und den Mont Aiguille wie einen Tafelberg als Scherenschnitt davor. Kennt ihr das Gefühl, wie erleichternd es ist, dass die Sonne jeden Tag wieder aufgeht und es hell wird? Genau diese Freude hatte ich beim Anblick des ersten Lichtes.

Im ersten Morgenlicht gehen wir weiter hinauf, passieren den Pas de l’Aiguille und sind auf der Hochebene. Hier denken wir erstmal „wir werden den Sonnenaufgang versäumen“, da wir auf der Hochfläche doch noch ein bisschen an Weg bis zur Kante zurücklegen müssen. Aber wir schaffen es gut, suchen ein Plätzchen und warten bis die ersten Sonnenstrahlen den großen Bergmonolith in oranges Licht tauchen.

Und es ist herrlich: das Licht, die Stimmung dort auf dem Berg, die Umgebung. Wir freuen uns, dass wir uns überwunden haben und so früh am Weg waren. Dann gehen wir über die Hochebene zurück. Dort gibt es auch eine kleine Hütte, wo man übernachten könnte. Am Pas de l’Aiguille haben sich im 2. Weltkrieg auch Widerstandskämpfer verschanzt, die von der regionalen Bevölkerung versorgt wurden. Ein Monument erinnert daran, dass eine Gruppe an Widerstandskämpfern von SS-Leuten überfallen und ermordet wurden.

Dann machen wir uns an den Abstieg. Unterwegs beobachten wir noch Steinböcke, wie sie auf den Hängen herumklettern und loses Steinmaterial zum Absturz bringen. Es ist unglaublich, in welchem Gelände die sich bewegen können.

Wieder im Tal gibt es erstmal ein ausgiebiges Frühstück. Dann machen wir uns auf die Suche nach einem Supermarkt oder ähnlichem. Aber ehrlich gesagt – ich war noch nie in so einem verlassenen Winkel von Frankreich. Für einen kleinen Minisupermarkt müssen wir einigermassen weit fahren und decken uns mit dem Wichtigsten ein. Am nächsten Morgen ergänzen wir unseren Vorrat am Markt (der aus 5 Ständen besteht…) mit regionalen Produkten.

Wir schauen uns noch ein wenig in der Gegend um und verlassen das Gebiet dann wieder. Diesmal umrunden wir das Kalkplateau im Süden und fahren bei Die in Richtung Vassieux-en-Vercors. Dort finden wir einen super Standplatz im Wald, wo während unseres rund 18h-Aufenthalts genau 1 (!) Auto vorbeifährt. Einsamer mitten im Sommer geht wohl nicht.

Von dort aus machen wir eine Wanderung auf den But St-Genix. Das Wetter ist ein wenig trüb und wir sind wieder einmal froh, dass wir unsere Sonnenaufgangstour noch bei klarem Wetter gemacht hatten. Auch die Gegend ist hier wieder anders, es gibt eher kalkige Hochflächen ohne die tiefen Schluchten des Norden.

Am nächsten Tag fahren wir nach Font d’Urle hinauf, das als Wintersportort bekannt ist. Hier ist echt hochalpines Almflair: die Kühe weiden auf den grünen Wiesen, der Wind bläst der Höhe angemessen frisch. Aber es gibt auch Karstformationen zu besichtigen, die auf dem Kalkplateau verteilt sind.

Besonders beeindruckend ist eine alte „Glacière“, wo man früher Eis für die Vorräte gelagert hatte. Mit unseren Stirnlampen klettern wir ganz auf den Boden der Höhle und wissen dort, warum das mit dem Eis so gut funktioniert hat: hier ist es eiskalt!

Am Eingang gibt es noch eine kleine Steinbrücke zu entdecken, aber auch rundherum gibt es noch einzigartige Kalkformationen. Dann gehen wir noch an den Plateaurand vor, wo man Blick auf die Berge im Süden hat.

Die Nacht verbringen wir in Chapelle-en-Vercors auf dem Campingplatz. Auch dort ist nicht viel los, und wir haben massig Platz für uns. Doch im Ort kann man wenigstens einkaufen, ein richtig kleiner netter Ort. Am nächsten Tag wandern wir noch zu einem Aussichtspunkt hoch über einer Schlucht – gegenüber von dort, wo wir ganz am Anfang im Vercors waren.

Dann geht es weiter über gewundene Strassen mit Ausblicken über die Schluchten und Abbrüchen bis nach Léoncel, wo wir einen Stopp am alten Zisterzienserkloster einlegen.

Und der letzte Ausflug im Vercors geht zum Chute des la Druise. Auf einer schmalen Strasse geht es in Richtung einer Schlucht und an einer Hangschulter auf einen Parkplatz. Von dort steigen wir in das Flussbett hinab. Unten angekommen geht es am Flussbett weiter bis wir ganz in der letzten Sackgasse der Schlucht den Wasserfall sehen, der auf der Felskante weit über uns beginnt.

Das Wasser ist klar, auch hier sind viele Menschen unterwegs und waten durch das Wasser oder liegen am Wasser in der Sonne. Wenige wagen es, im Becken nahe des Wasserfalles zu baden. Aber der Abstieg und vor allem der steile Aufstieg in der Hitze hat sich durchaus gelohnt.

Von dort verlassen wir das Gebiet des Vercors in Richtung Sisteron, wo uns dicke schwarze Gewitterwolken erwarten. Wir haben einige nette Ecken im Vercors entdeckt, aber ich bin mir sicher, wir werden wieder kommen…

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