Auszeit im Waldviertel

„Bleibt in Östereich für die Ferien“, haben sie gesagt. Aber wohin, wenn man Ruhe und Natur haben will? Wir haben uns für ein paar Tage im Waldviertel entschieden!

Unser Urlaub beginnt mit einem Regentag. Wir brechen von Amstetten auf und es schüttet, schüttet den ganzen Tag. Von Grein nehmen wir die Route nach Norden und winden uns in unzähligen Kurven empor. Nebel hängt in den Wäldern.

Wir folgen einem Hinweisschild für eine gotische Kirche und landen in Königswiesen. Die Kirche ist durchaus sehenswert, das Rippengewölbe mit seinen Mustern lohnt einen Abstecher.

Den restlichen Tag warten wir einfach bis es zu regenen aufhört und lesen, lesen, lesen. Abends reisst es fast schon auf, wir spazieren ein wenig in der Gegend herum und werden mit einer einmaligen Abendstimmung belohnt.

Die Sonne ist wieder retour, so unternehmen wir eine Wanderung rund um Alt-Melon. Warum der Ort so heißt, bleibt uns verborgen, aber in der Nähe gibt es eine Menge der typischen Waldviertler Granitsteine im Wald.

Teilweise bilden die Steine auch kleine Höhlen oder enge Durchstiege, die mit Holzleitern durchschritten werden können. Viele dieser Steine dienten schon früher den Menschen als Kultstätten.

Auf dem Rückweg ein wenig südlich vom Ort finden wir einen alten Steinkeller, wo man in Selbstbedienung Getränke bekommt. So sitzen wir gemütlich in der Sonne und genießen einen Radler.

Wie ist das nun so im Waldviertel? Viel nichts, viele kleine Dörfer, viele Hügel, viel Wald, einige Burgen. Rastbänke mit Ausblick.

Es scheint hier auf jeden Fall genug Platz zu geben. Während in Tirol die Häuser in den Dörfern eng an eng stehen und festungsartig eingezäunt sind, sind die Dörfer im Waldviertel offener, auf dem grünen Dorfanger steht die kleine Kirche, vor den Häusern offene Wiesen.

Wir sind im Juli im Waldviertel und so wie es im Sommer in Südfrankreich Lavendel gibt, gibt es zu dieser Zeit im Waldviertel Mohnfelder. Macht euch auf, sie zu suchen, sie sind wunderschön.

Wer Authentizität schätzt, sollte aber eher das Mohndorf Armschlag meiden. Armschlag war der einzige Ort auf unserer Reise, wo wirklich viele Menschen waren, richtig viele. Und mir kam vor, dass vieles dort sehr inziniert war. Zudem haben wir dort keinen Mohn auf dem Feld gefunden und waren schon sehr enttäuscht.

Es gibt aber Mohnfelder, wenn man weiter nach Norden fährt, die Hauptdurchzugsstrassen verlässt. Wenn man auf der L8273 nach Norden in Richtung Großgöttfritz fährt, findet man mit Sicherheit die sehenswerten Mohnfelder.

Wir halten dort auf jeden Fall an mehreren. Die Blüten heben sich in weiß, rot-rosa oder lila in den Himmel, die Blätter dünn-papierig und fast durchscheinend. Ich fotografiere, verliere mich zwischen den Blumen und den verblühten Kapseln. Die Schäfchenwolken passen dazu hervorragend ins Bild.

Von Freunden wurde uns der Lohnbach- und der Höllfall empfohlen. Also packen wir unser Stativ ein und ziehen los. Beide Wasserfälle sind besuchenswert, der Lohnbachfall noch mehr, weil er eine größere Höhe überwindet.

Aber beide Wasserfälle führen euch in das typische Waldviertel, das man auf so vielen Bildern sieht: die großen Granitsteine, wo das Wasser drüber fließt. Das gelbliche Wasser, das grüne Moos im Halbschatten der Wälder. Mystische Stimmung im Zwielicht.

Am Lohnbachfall machen wir unseren ersten Fotohalt. Lange klettern wir dort an den Felsen herum und fotografieren, schauen, lassen die mystische Stimmung auf uns wirken. Dann gehen wir weiter nach oben, queren das Ufer und folgen dem Pfad bergauf.

Es ist auch Heidelbeersaison im Waldviertel. Die Beeren sind süß, gross und laden immer und überall zur Jause ein.

Der Höllbachfall ist flacher, aber auch hier gibt es sympathische Ecken zu entdecken. An der Brücke weiter oben im Tal stehen grosse aufgeschichtete Granitfelsen, auf die man auch von hinten hinaufgehen kann.

Eigentlich sind wir auch fürs Kanufahren hergekommen. Schon als Kind waren wir immer wieder am Ottensteiner Stausee. Jetzt wollen wir dort in See stechen und den Purzelkamp hinaufpaddeln.

Vorbei geht es an der Ruine Lichtenfels, dann unter der Strassenbrücke hindurch. Während wir weiter die Seitenarme hineinpaddeln, wird es immer ruhiger. Nur Fischer treffen wir immer wieder, die in ihren Booten lümmeln und fischen.

Wir fahren den Purzelkamp so lange hinauf, bis wir wegen der Gegenströmung nicht weiter können. Dann drehen wir um.

Flache Stellen zum Anlegen gibt es gar nicht so viele, an einer Steinstufe gelingt es uns, unser Boot zu vertäuen. Dort machen wir Pause, jausnen, und ich schwimme eine kleine Runde.

Abends sind wir bei Freunden in Zwettl zu Besuch. Vorher drehen wir eine kleine Runde im Ort, wo man aber mit einer Runde eher schnell fertig ist. Wichtig ist noch der tägliche Einkauf an Mohnzelten in der örtlichen Bäckerei.

Aber es lohnt sich, den Hügel in Richtung Propstei hinaufzusteigen. Der russische Friedhof war nach dem zweiten Weltkrieg für Gefallene der Besatzungsmacht angelegt worden.

Die Proposteikirche selber fand ich nicht so besonders, aber das richtige Kleinod findet ihr, wenn ihr rechts an der Kirche entlang geht: die Michaelskapelle aus dem 14. Jhdt. Die Stimmung in der Kapelle ist wunderschön und die Bemalung der Wand schön restauriert.

Geht man von der Propstei nach Osten wieder in Richtung Zwettl, kommt man im Kamptal an.

Gmünd mit der Blockheide steht noch auf unserer Liste. In einem großen Gebiet nord-östlich des Ortes gibt es zahlreiche Felsformationen der großen Granitsteine, aber auch kleine Teiche und Tümpel.

Guter Dinge starten wir unsere Wanderung durch die Felsen. Aber die Tümpel werden uns zum Verhängnis – die Mücken wollen uns schier auffressen, sogar während des Gehens setzen sie zum Stechen an.

Nach einer schnellen Runde durch das Gelände bleibt uns nur mehr die Flucht.

Im Waldviertel gibt es überhaupt eine Menge kleine Seen und Tümpel. Von dieser Qualität profitieren auch wir. Am Badesee in Arbesbach und am Frauenwieserteich nutzen wir die Infrastruktur, auf die wir ja mit unserem Bus angewiesen sind.

Am Frauenwieserteich begegnen wir sogar zwei Kreuzottern, die wohl über unseren Besuch genauso erstaunt sind wie wir über ihr plötzliches Auftauchen.

Nahe Zwettl übernachten wir am Rudmannser Teich. In der Abendstimmung mutet die Umgebung fast wie die Weiten Finlands an, Mückenschwärme inklusive.

Aber egal, wo wir übernachten – die Menschen, die dort vorbeikommen sind freundlich, oft beginnen sie ein Gespräch, und wir fühlen uns willkommen.

Dann ist die Schönwetterphase auch schon vorbei. Waldviertel ist halt nicht Südfrankreich und alle paar Tage mag man sich in Österreich schon auf ordentliche Regentage einstellen.

Wir beschließen somit, in Richtung Wien weiter zu fahren.

Aber eines mag ich euch nicht vorenthalten: wir machen noch Halt im Strandbad Plank am Kamp. Ein über 100 Jahre altes Strandbad mit rot-weiß-gestreifen Häuschen. Der Tag ist bedeckt, so sind wir lange die einzigen Gäste.

Wir richten uns im achteckigen Pavillion ein, essen dort lange, kochen Kaffee. Wir schauen zum Wasser hinunter, aber es ist zu kalt zum Schwimmen. Wir bleiben lange, genießen die Ruhe, vergessen die Zeit. So muss Urlaub!

Einiges haben wir gesehen, vieles haben wir ausgelassen. Aus Wettergründen. Also wollen wir wiederkommen, nach Hardegg, nach Drosendorf, zu den kleinen Seen und großen Felsen.

Es ergibt sich sicher wieder einmal die Gelegenheit.

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