Pisa ist mehr als der schiefe Turm

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Im September waren wir zwei Wochen in Italien und haben es ausgenützt, dass Touristen aus Übersee derzeit nicht die beliebten Reiseziele bevölkern. Einen unserer ersten Tage haben wir in Pisa verbracht.

Wir waren vor Jahren schon in Pisa gewesen, damals haben wir uns nur den berühmten schiefen Turm angesehen und rundherum den „Platz der Wunder“ („Piazza dei Miracoli“), wo der schiefe Turm, der Dom und das Bapisterium stehen. Diesmal haben wir auf dem Platz der Wunder begonnen und anschliessend noch die Stadt erkundet. Spoiler – Pisa kann viel mehr als nur den schiefen Turm.

Der „Platz de Wunder“ ist noch so beeindrucken wie damals. Die drei Gebäude in weißem Carara-Marmor strahlen in der Sonne. Das Bapisterium als frei stehende Kuppel im Vordergrund, dann der ausladende Dom und dahinter schaut sein Glockenturm – der schiefe Turm – hervor.

Die ersten beiden Gebäude haben dünne dunkle Streifen im weißen Marmor, als wir direkt davor stehen, sehen wir die feinen Verzierungen und Reliefe im Stein. Wir umrunden die Gebäude und entdecken immer wieder neue Details. Was für beeindruckende Kunstwerke!

Spontan entscheiden wir, auf den schiefen Turm hinaufzusteigen. Aufgrund der wenigen Touristen bekommen wir einen Slot knapp eine Stunde später. Der Turm hat sich schon während des Baus geneigt und der Bau wurde für lange Jahre unterbrochen. Ab dem 3. Stockwerk hat man versucht, die Schiefstellung des Turmes – erfolglos – zu kompensieren. Von 1990 bis 2001 war der Turm gesperrt und wurde dann gründlich rennoviert. Man hat die Basis durch die Unterlage einer Bleiplatte stablisiert, so neigt er sich nicht mehr weiter. Heute kann man den Turm wieder  hinaufsteigen und sogar die Glocken dürfen wieder läuten.

Wir passieren die Sicherheitskontrolle und bekommen einen Distanzmesser aufgrund der Pandemie. Dieser quietscht ganz nervös und blinkt rot, wenn einem jemand anderer ebenfalls mit Distanzmesser zu nahe kommt. Aber die Besucherzahlen sind nicht so hoch, dass der Turm überfüllt wäre.

Wir steigen die Stufen im Turm nach oben und merken schon da, dass der Turm geneigt ist, der Gleichgewichtssinn ist beim Hinaufsteigen einigermassen gefordert, irgendwie schwanken wir ein wenig unbeholfen. Oben kommen wir auf eine Galerie, ein wunderbarer Ausblick öffnet sich über den Platz der Wunder und die Stadt Pisa. Ich kann mich gar nicht losreissen, so leuchten das Baptisterium und der Dom in der Sonne.

Auch hier merkt man deutlich, dass der Turm schief steht: durch die Säulen scheinen sich die Häuser der Strassen unter uns nach hinten zu neigen, obwohl sie wohl gerade stehen.

Zu unserer Überraschung dürfen wir auch direkt auf die Ebene hinaufsteigen, wo die sieben Glocken hängen. Und als wir oben sind, läuten die Glocken auch noch! Die Geräuschkulisse ist gewaltig und physisch zu spüren, der dunkle, kräftige Klang der Glocken erzeugt eine ganz eigene Stimmung.

Danach besuchen wir das Bapisterium, in deren Mitte sich ein achteckiges Taufbecken unter hohen Säulengängen befindet. Wenn man auf die Galerie hinaufsteigt, hat man einen  besonders schönen Ausblick zurück auf den Dom und den schiefen Turm dahinter.

Der Dom ist weitläufig und mit seiner goldenen Decke und den Bemalungen reich verziert. Sogar im Inneren wechselt sich heller und dunkler Stein ab. Beim Blick zurück bewegt sich vor dem grossen Eingangstor ein weisser Vorhang im leichten Wind und lässt an vergangene Zeiten zurückerinnern.

Wir weiten unsere Erkundungstour auf die Stadt aus. Besuchen sollte man auf jeden Fall die Piazza dei Cavalieri mit seinen Palazzi rundherum. Der Platz war früher der weltliche Hauptplatz der Stadt. Die Kirche Santo Stefano ist leider wie so oft geschlossen.

Wir schlendern weiter durch die Stadt auf den Arno zu. Abseits der Einkaufsstrassen gibt es recht verkommene Ecken, die aber auch ihren Charme haben.

Direkt am Arno steht die blütenweisse Kirche Santa Maria della Spina, die schon von weitem in der Sonne leuchtet. Die kleine Kirche ist reich verziert und unbedingt einen Besuch wert.

Wer an der Stadtverwaltung an der Ponte di Mezzo vorbeikommt, sollte einen Blick ins Rathaus werfen. Der Vorhof zum Eingang ist mit einem sehenswerten bemalten Gewölbe geschmückt.

Das nächste Ziel ist die Piazza delle Vetovaglie – ein schöner kleiner Platz mitten in der Stadt mit Arkaden auf allen Seiten.

Hier befinden sich einige Osterien, wo sich Einheimische und TouristInnen mischen. Wir lassen uns an einem Tisch der „Griglieria le Vettovaglie“ nieder und werden nicht enttäuscht. Der Wirt spendiert uns als Nachspeise sogar noch eine Portion Cantuccini und Vin Santo während wir versuchen, den lebhaften Gesprächen unserer Nachbarn zu folgen.

Wem der Wirt keine Nachspeise spendiert, der kann anschliessend in der Gelateria „Il Gelato di Toto“ (Borgo Stretto, 15) ein Eis geniessen oder bei Salza (Borgo Stretto, 46), einem berühmten Café, das gute Süssspeisen anbietet, einkehren.

Wenn ihr in Pisa seid, investiert die Zeit und schlendert durch die engen Gassen und entdeckt auch die versteckten Plätze. Es lohnt sich, nicht nur auf dem Platz der Wunder zu verweilen…

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