Ein Wochenende im Piemont

Ich hatte meiner Mutter zu ihrem 80. Geburtstag eine Reise an einem verlängerten Wochenende geschenkt. Sie hatte sich für das Piemont entschieden, so sind wir Anfang Oktober in die Nähe von Alba gereist.

Ich hatte ein Zimmer auf einem Weingut gebucht, das ich nur empfehlen kann: gleich bei Alba, über eine schmale Strasse zu erreichen, liegt das Weingut Tenuta Baràc mitten in den Weinbergen.

Das familiengeführte Weingut hat nur 10 Zimmer und produziert Biowein vom feinsten. Auf dem Weingut kann eine Weintour gebucht werden, was wir natürlich auch gemacht haben. Von unserem Weingut aus machen wir Ausflüge in die Umgebung.

Gleich bei der Hinreise machen wir Halt in Neive und in Barbaresco. Beide Dörfer sind recht klein, aber lohnen einen Abstecher.

In Neive schlenden wir durch die schmalen Gassen und kehren dann in der Bar „Al nido della Cinciallegra“ ein. Und was isst man natürlich im Piemont – ein Vitello Tonnato, das dort wirklich zu empfehlen ist.

In Barbaresco muss man vor allem die Vinothek besichtigen, die in einer alten Kirche untergebracht ist. Vinotheken besuchen wir auf unserer Reise einige, aber diese ist eindeutig die schönste.

Am nächsten Tag wollen wir ein wenig durch die Dörfer im Westen von Alba fahren. Zuerst machen wir in Verduno halt. Zäh halten sich die Wolken bis Mittag und hüllen die Weinberge in ein gedämpftes Licht.

Wir gehen die Hauptgasse bis zur Kirche hinauf, dann machen wir einen kleinen Abstecher in die Weinberge, wo man über den Ort und nach Roddi retour sieht.

Wein wird hier überall angebaut, wo es möglich ist. Wo es nicht möglich ist, da wachsen die berühmten Haselnüsse der Sorte „Tonda Gentile“. Die spezielle Sorte wird geröstet verkauft und hat einen wundervoll, nussigen Geschmack.

Nächster Halt ist in la Morra, hier gehen wir die schmalen Gassen bis zur Aussichtsplattform hinauf. Von hier sieht man über die Weinberge und zu den Nachbardörfern. Dann schlendern wir zur Vinothek „la Cantina Comunale“ hinüber, die auch hier gut bestückt ist.

Es ist höchste Zeit für einen Café, also legen wir einen kleinen Stopp im Café Murra ein, ein uriges kleines Café, wo sich die Einheimischen treffen.

Das letzte Dorf, das wir besuchen, ist Monforte d’Alba, das an einem kleinen Hügel angelegt ist. Wir parken unten an der großen Kirche Madonna della Neve und gehen dann bis zum alten Dorfplatz auf den Hügel hinauf.

Das Dorf ist wunderschön und urig, aber die Gassen sind wirklich steil. Dafür wird man oben mit einem wunderschönen mittelalterlichen Platz und einen tollen Ausblick belohnt.

Inzwischen ist es Nachmittag, und wir wollen eine Kleinigkeit essen. Also kehren wir in die Bar Barolo ein, ebenfalls eine urige Bar, in der Einheimische für ein Mittagsmenü vorbeischauen. Die Bar hat ein super Angebot an Weinen und eine kleine, aber feine Speisekarte mit Piemontesischen Spezialitäten.

Am späten Nachmittag haben wir unsere Weintour gebucht. Wir werden durch die Weinberge und durch den Weinkeller geführt und erfahren allerhand über die unterschiedlichen Reb- und Weinsorten. In der Verkostung können wir dann vier unterschiedliche Weine unseres Weingutes kosten und so auch die Unterschiede selbst feststellen.

Den Abend beschließen wir mit einem Apero auf der gemütlichen Terrasse vor dem Haus.

Am Samstag ist Markt in Alba, also machen wir uns dorthin auf. Das denken sich wohl viele Menschen, einen Parktplatz finden wir nur durch Glück. Es hat auch die Trüffelmesse in Alba begonnen, die uns aber gar nicht so interessiert.

Wir schlendern über den Markt, und ich bedaure wieder mal, dass wir nicht selbst kochen können. Es gibt frisches Gemüse aller Art, Käse und Stände, die Schinken verkaufen.

Dann bummeln wir durch die Stadt. Durch den Markt sind mir ein wenig zu viel Menschen unterwegs, so dass wir in die Nebengassen abbiegen. Besonders nett finde ich die Chiesa di San Domenico, hier findet ihr alte Fresken und karierte Säulen.

Gleich nebenan befindet sich das Caffè Teatro, wo wir auf einen Cappuccino einkehren und ich mir eine Haselnusstorte gönne.

Am frühen Nachmittag habe ich eine Führung im Dom gebucht. Der Turm des Doms ist nämlich ganz besonders: es gibt einen inneren und einen äußeren Turm und dazwischen führt eine Treppe hinauf. Wir machen Zwischenstation auf dem Kirchdach, wo man sogar in den Kirchraum darunter sehen kann.

Dann steigen wir weiter hinauf bis zum Turm, über uns sind dann nur mehr die Glocken. Von hier aus haben wir einen wunderbaren Blick über die Stadt.

Jetzt haben sich auch die morgendlichen Wolken verzogen, und die Sonne scheint vom blitzblauen Himmel. Die Führung geht als nächste Station unter den Dom, wo alte Gemäuer und Gräber aus den unterschiedlichen Perioden – aus der Römerzeit bis zum Mittelalter und später – ausgebuddelt worden sind.

Anschließend an die Führung schlendern wir nochmal durch die Stadt, die Marktstände sind inzwischen abgebaut und viele Menschen haben die Innenstadt verlassen.

Auf dem Heimweg machen wir noch einen kleinen Umweg und dort einen Halt auf einem Aussichtspunkt.

Von hier sieht man an diesem klaren Tag die Berge, die die Po-Ebene im Westen begrenzen. Zuerst denke ich, es sind Wolken, aber die riesige Siluette am Horizont kann nur der Monte Viso sein, der sich mit seinen stattlichen 3.800m westlich der Po-Ebene erhebt und diese charakteristische Form hat.

Am nächsten Morgen steht das Licht anders und man sieht ihn sogar noch besser und beschneit.

Am Abreisetag machen wir noch Halt in Govone und steigen zum Castello hinauf. Dieses trohnt über dem kleinen Dorf und lohnt wirklich den Abstecher.

Von dort oben haben wir zudem einen wunderschönen Blick auf die Weinberge retour, in denen noch der Frühnebel gefangen ist.

Dann geht es zurück nach Norden mit ganz vielen neuen Eindrücken und ein paar Flaschen Rotwein im Gepäck.

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