Unterwegs in Mittelportugal

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Nach ein paar Tagen in Lissabon machen wir uns auf den Weg nach Norden. Zuerst verbringen wir ein paar Tage an der Küste, bevor wir im Landesinneren die Städte Tomar und Coimbra besuchen.

Auf der Autobahn verlassen wir Lissabon gen Norden, ich fahre heldenhaft über die Ponte de 25. Abril, dann auf der Stadtautobahn weiter nach Norden.

Erstes Ziel ist Obidos, ein kleiner netter Ort, aber überfüllt mit japanischen und koreanischen Touristen. Die ganze Hauptstraße säumen Souvenirläden, die aber nur minderwertiges Zeugs verkaufen.

Erstaunlicherweise gibt es dort eine der besten Bäckerein Portugals, die Capinha d’Obidos. Wir treten in den Laden, als gerade Semmerl in den heißen Holzofen geschoben werden. Mit einem frischen Sauerteigbrot unter dem Arm, besuchen wir anschließend eine Buchhandlung, die in einer ehemaligen Kirche eingerichtet ist, sehr witziges Ambiente.

Auf der Innenseite der Stadt kann man rundherum auf der alten Stadtmauer bzw. -befestigung gehen. So wandern wir eine halbe Runde hoch über den Häusern und Gärten. Hier halten sich auch die Touristemassen in Grenzen, da es keinerlei Absperrungen gibt und viele es nicht wagen, hoch über den Gärten und Häusern zu gehen. Aber grundsätzlich ist Obidos ein typisches portugiesisches Dorf mit vielen weißgetünchten Häusern.

Nächstes Ziel ist Peniche, dort fahren wir zum Leuchtturm am Capo Carvoeiro. Auf einem Felsen essen wir erstmal zu Mittag, der Wind weht nur mäßig und die Möven beobachten uns aufmerksam aus der Luft und hoffen Abfälle.

Von der Aussichtsplattform hinter dem Leuchtturm sieht man gut über die zerklüfteten Klippen. Über eine Stiege für Fischer gelangen wir auf die Felsen unterhalb der Plattform. Dort sitzen wir lange und schauen den Wellen zu, wie sie auf die Felsen klatschen und das Wasser hoch auf spritzen lassen. Ich mag es, wenn man die Kraft des Meeres so unmittelbar und nahe spürt.

Als wir zum Auto retour wandern, sehen wir, dass es mehrere so Fischerstellen gibt, alle einfach mit einem Fisch markiert. An einer Stelle geht eine eiserner Leiter in eine Art Aussichtskanzel hinunter. Rundherum sind Felswände, unter uns schäumt der Atlantik, so ein einzigartiger Platz!

Ein wenig weiter im Norden bleiben wir beim Doppelstrand von Baleal stehen. Hier sind unzählige Surfer im Wasser, viele lernen erst, wie man auf dem Brett stehen muss und machen Trockenübungen am Strand. Das heißt, sie liegen mit ihren Neoprenanzügen im Sand und springen auf Kommando auf das Surfbrett und versuchen, die korrekte Haltung einzunehmen. Aber es gibt auch Surfer im Wasser, das gut frisch sein muss. Trotz der Neuprenanzügen sehen die meisten aus, als würden sie nicht besonders warm haben.

Unseren Stellplatz beziehen wir an diesem Abend an der Lagune von Obidos. Hier sind schon einige Leute, die uns eher suspekt erscheinen, aber schließlich finden wir doch noch einen ruhigen Platz am Ufer.

In der Früh ist es wiedermal sehr windig, so beschließen wir, etwas abseits der Küste zu unternehmen und fahren nach Caldas da Rainha. Zuerst wandern wir durch den Park, wo ehemalige Thermenanlagen stehen, die langsam verfallen. Im kleinen Teich tummeln sich schwarze Schwäne und Pfaue. Nach einem kurzen Abstecher zum Markt suchen wir in Gässchen und auf Plätzen diverse Jugendstilhäuser auf. Leider sind viele davon schon eher verfallen, aber der Besuch lohnt sich trotzdem. Zum Schluss schauen wir uns noch die traditionellen blau-weißen Kachelbilder am Bahnhof an.

In Caldas kehren wir ins Cafe Central auf einen Galão, einen typisch portugiesischen Kaffee mit viel Milch, ein. Langsam kann ich sogar sehr überzeugend auf portugiesisch für zwei Personen Kaffee bestellen!

Nächstes Ziel ist Salir de Porto, steigen auf eine Mirador und schauen auf die Bucht von São Martinho do Porto hinunter. 1991 war ich hier, ich kann mich an keine Einzelheiten mehr erinnern, wir waren damals mit Interrail unterwegs und am Campingplatz abgestiegen. Aber ich fand die Form der Bucht so toll – und weiß jetzt wieder warum.

Die Bucht hat die Form einer Muschel, sanft klatschten die Wellen den den Strand, nur eine schmale Öffnung bringt das Wasser vom viel rauheren Atlantik herein. Jetzt scheinen viele Hotelbauten neu und haben die Bucht zu einem typischen Touristenort gemacht.

Von der Düne beim Freibad gehen wir zu den Ruinen der „Capela de Santana“ am „Durchlaß“ der muschelförmigen Bucht, von wo man einen guten Ausblick über die gesamte Bucht hat. Auf der Düne selbst blühen im wilden Chaos die buntesten Blumen, es ist einfach herrlich!
Den Rückweg legen wir über die Düne selber und laufen und driften auf der Steilseite zur Bucht hinunter. Fast wie Skifahren, nur dass man anschließend die Schuhe voller Sand hat.

Am nächsten Tag fahren wir nach Nazaré  – den berühmten Surferort – weiter. Der Praia do Norte macht Werbung, dass es dort die höchsten Wellen der Welt gibt. Aber als wir ankommen, ist es zwar grau und unfreundlich, aber keine einzige Welle geschweige denn eine besonders spektakuläre rollt sich an den Strand.

Wir parken im alten Ort auf dem Felsen und gehen zum Leuchtturm hinunter, der im alten Fort angebracht ist. Der Besuch auf dem Leuchtturm entschädigt für die fehlenden Wellen und zwar nicht wegen dem Turm selber, sondern wegen seiner Lage auf dem kleinen Felssporn.

Wir gehen am Fusse des Forts rundherum und sehen dort einige Männer auf den Felsen bzw. zwischen den Felsen tauchen und schwimmen. Anfangs verstehen wir nicht recht, was die dort machen, aber sie scheinen Muscheln zu suchen. Ein Mann kommt mit einem Sack Entenmuscheln die steilen Stufen zu uns hinauf. Wir gehen auf die Aussichtsplattform hinunter und sehen den Muscheltauchern eine zeitlang zu.

Nachher lese ich, dass die „Ernte“ von Entenmuscheln stark beschränkt und zudem das Tauchen nach den Muscheln sehr gefährlich ist. Immer wieder gibt es Unfälle und Tote, die bei zu riskanten Bedingungen ins Wasser gehen und das mit ihrem Leben bezahlen. Die Preise für die Entenmuscheln sind aber auch sehr stolz, je nach Größe können sie bis zu 200€ pro Kilo kosten. Auch in Galizien und Nordspanien gibt es diese Muscheln.

Auf dem Weg ins Landesinnere nach Tomar besuchen wir noch eine Fundstelle von Dinosaurierabdrücken. Ich kann mir darunter am Anfang gar nichts vorstellen, das Areal ist riesig, ein alter Steinbruch, mit der Abdruckfläche mittendrin. Zuerst muss man oben einmal rundherum laufen und die aufklärenden Schilder alle lesen. Die Abdrücke selber sind gut erkennbar, man kann auf der Felspatte daneben hergehen und sie betrachten.

Letztes Ziel für diesen Tag ist Tomar, um dort den Convento de Christo zu besuchen. Tomar war im 13. Jahrhundert eine der wichtigsten Städte Portugals und das religiöse Zentrum der Tempelritter. Diese erbauten auch den Convento, der um vieles größer war als ich ihn mir vorgestellt hatte und wunderschön, wirklich wunderschön! Es gibt dort mehrere Kreuzgänge und eine alte Kirche des Templerordens. Der Grundriss ist recht verwirrend und mehrmals waren wir unsicher, welchen Teil des Convento wir schon gesehen hatten.

Der erste Kreuzgang mit seinen blauen Kacheln und den Spitzbögen gefällt mir gleich am besten, aber auch die folgenden sind sehenswert. Wir verbringen wirklich die gesamte Zeit bis zur Schließung dort drinnen und werden dann sanft hinausgeschmissen. Ich hätte da locker noch länger bleiben können. Da wird mir wieder so richtig bewusst, wie viel Zeit wir mit Fotografieren und Schauen verbringen.

Eigentlich wollen wir ja nicht schon wieder eine Stadt besuchen, aber Coimbra liegt nicht so weit nördlich, und wir beschließen, die Stadt und vor allem die weltberühmte Bibiothek in der alten Universität zu besuchen. Coimbra war schon in der Römerzeit besiedelt und im 12. und 13. Jahrhundert die Hauptstadt Portugals. Die Universität existiert seit 1290 und ist eine der Hauptattraktionen der Stadt.

Wir parken am Fluss etwas außerhalb und gehen zuerst durch den Park zur Universität hinauf. Um einen riesigen, leicht abfallenden Platz stehen die ganzen berühmten Gebäude versammelt: das Hauptgebäude mit dem alten Thronsaal, die Joanina Bibliothek und die Kapelle São Miguel. Ich hatte mir außer von der Bibliothek eigentlich gar nichts erwartet, aber es ist richtig schön! Auch die Kapelle finde ich beeindrucken mit ihren bunten Bildern an Wänden und Decke.

Gleichzeitig ist gerade Studienjahrende und viele Studierende laufen mit einem langen schwarzen Umhang herum, ein bisschen wie Harry Potter. Aber wir bemerken wieder einmal, dass wir sehr froh sind, unsere Studienjahre hinter uns zu haben.

Dann gehen wir ins Museu Machado do Castro, aber nicht wegen dem Museum, sondern wegen den alten römischen Bauten, die dort in zwei Untergeschossen versteckt sind. Sie wurden damals zur Römerzeit errichtet, um darauf ein Forum bauen zu können. So gehen wir in unterirdischen und kalten Gängen auf alten römischen Wegen herum.

Auf unserem Weg durch die Stadt kommen wir bei der alten Kathedrale vorbei und André will unbedingt hinein gehen. Auch sie ist mit Kacheln verziert, und es gibt einen schönen Kreuzgang. Kein Mensch außer uns ist dort, und wir genießen die Ruhe in diesem wunderschönen alten Bau.

Ziel zum Übernachten sind diesmal die Moinhos de Gavinhos nordöstlich von Coimbra. Ein beeindruckender Ort, von dem ich euch das nächste Mal mehr erzähle!

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