Durch Estlands Westen

Nach unseren Tagen in Tallinn haben wir eine Fähre nach Hiiumaa gebucht. Bis zur Abfahrt dauert es aber noch, und wir erkunden den Westen Estlands zwischen Tallinn und Haapsalu.

Nach den Tagen in der Stadt tut es wieder richtig gut, in der Natur zu sein. Erstes Ziel ist Suurupi, wo wir an die Küste spazieren und den Leuchtturm suchen, der ein wenig im Landesinneren auf einem privaten Grundstück versteckt ist.

An der Küste gibt es eine Menge Gesteinsschollen, die kleine Buchten bilden. In den flachen Buchten sind recht viele Algen, aber auch eine Menge an Meeresvögel. Suurupi hat auch einen hinteren Leuchtturm, dem wir natürllich auch noch einen kurzen Besuch abstatten.

Kurz bleiben wir noch am Türisalu Kliff stehen – hier sind die Gesteinsplatten Estlands schon ganz schön hoch. Und unten dümpeln ein Haufen Schwäne im Wasser.

Nächstes Ziel ist der Wasserfall von Keila-Joa, der sich in einem großen Park mit schlößähnlicher Anlage befindet.

In Estland sind sie ja sehr stolz auf ihre Wasserfälle, die nie besonders hoch, aber doch immer einigermassen breit sind. Der Wasserfall ist ganz nett, aber eher nur lohnenswert, wenn man eh grad in der Nähe ist.

Gegen Mittag fahren wir auf die Paldiski-Halbinsel hinaus und schauen dort noch zum Leuchtturm. Die Steilküste ist hier schon recht bröselig, der alte Leuchtturm ist im Laufe der Zeit einfach ins Wasser gebröckelt. Der neue Leuchtturm wurde deshalb mit genügend Abstand weiter hinten errichtet.

Aber wir jausnen dort an der Küste und schauen übers Meer.

Ein Highlight ist das nächste Ziel – Rummu – ein alter Steinbruch bei einem ehemaligen Gefängnis. Die Insassen des Gefängnisses mussten früher im Steinbruch Zwangsarbeit leisten. Der ehemalige Steinbruch ist heute überflutet, unter der Wasseroberfläche findet man noch alte Gebäude und sogar Maschinen. Die Gebäude sieht man von oben deutlich unter Wasser, andere versunkene Gegenstände könnte man in einem Tauchgang erkunden.

Wie der See entstanden ist, ist ein wenig unklar. Anscheinend fielen durch Sabotage oder durch eine Panne die Pumpen aus und der See füllte sich in nur kurzer Zeit, so dass auch zu wenig Zeit war, die Maschinen in Sicherheit zu bringen.

Heute ist Rummu ein Freizeitpark mit Gefängnismuseum und Campingplatz. Ich bin sehr froh, dass wir in der Nebensaison dort waren, wo nur eine Reisegruppe mit Bus dort war. Man muss am Eingang an einem Drehkreuz den (nicht günstigen!) Eintritt bezahlen und kann sich dann im Gelände frei bewegen.

Wir steigen durch ein Erosionstal rechts vom See hinauf, um die Aussicht zu genießen. Das lohnt sich unbedingt, von dort sieht man nämlich über den ganzen See und das Gefängnis-Areal.

Dann fahren wir noch mit unseren Fahrrädern auf die gegenüberliegenden Seite und schauen über den See zurück. Es gibt dort nur schmale Wanderpfade, aber irgendwie ist es auch mit dem Fahrrad machbar.

Wir verlassen Rummu und übernachten lieber auf einem Parkplatz an einem wunderbaren See. Ich gehe natürlich schwimmen, auf dem Steg essen wir aber zu Abend, weil sich dort lustigerweise keine Mücken hinverirren.

In der Früh finden wir uns in einem Schulausflug von Volksschülern wieder, die am See die Natur erkunden, auch eine lustige Erfahrung.

Am nächsten Tag machen wir uns in Richtung Fähre auf und halten auf dem Weg noch in Haapsalu, um den alten Bahnhof dort zu besichtigen. Eigentlich dachten wir, dass wir nicht viel sehen werden, aber die Züge und Lokomotiven stehen im Freien und sind gut beschildert. Nur das Museum hat nicht geöffnet.

Der alte Bahnhof wurde Anfang des 20.Jahrhunderts gebaut und war für den Personenverkehr  bis 1995 in Betrieb. Er ist riesig und ganz aus Holz gebaut.

Dann fahren wir weiter zu Fähre und reihen uns in die Warteschlange ein, um auf die Insel Hiiumaa überzusetzen.

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