|

Syrische Entdeckungen

Letzte Woche war ich in einem sehr netten, sehr lustigen Kochkurs. Ein Kochkurs ein wenig anderer Art. Denn in Innsbruck geben Flüchtlinge über den Verein KAMA Kochkurse. Wobei eben Kochkurs vielleicht ein wenig zu weit gegriffen war. „Entdecken wie die Syrer kochen“, hätte es wohl eher getroffen.

Denn am Anfang haben wir wohl grob besprochen, was wir kochen werden, aber während der Kochvorgänge mussten wir weitgehend selber herausfinden, was mit den Zutaten wohl passieren wird und für welches der vier Gänge es wohl gebraucht werden würde. Andererseits machte genau das den Kurs aus. Wir fragten nach und packten zu.

Auf dem Menü stand:

Ich versuchte mit Block und Stift herauszufinden, welche Zutaten in welchen Topf wanderten und vor allem wie viel davon. Da wir 13 Leute waren und noch was vom Essen übrig war, würde ich mal schätzen, dass wir für rund 20 Menschen gekocht haben. Ich habe die Zutaten für den Blog nun halbiert, also nehmt mal an, dass das Essen dann für rund 10 Personen reicht.

Ich gebe aber zu, dass ich nicht alle Einzelheiten herausfinden konnte. So weiss ich z.B. nicht, wieviel Kreuzkümmel in die Suppe gewandert ist oder wie viel Granatapfelsirup in den Salat sollte. Aber das müsst ihr dann selber beim Nachkochen je nach Geschmack nachjustieren. Ich habe mein Bestes gegeben.

Da ich beim Kurs Fotos von den einzelnen Arbeitsschritten gemacht habe, werde ich diesmal diese gleich bei den Rezepten zeigen, um diese auch besser verständlich zu machen. Ich hoffe, es macht euch das nachkochen auch so viel Spass wie mir der Kochkurs Spass gemacht hat.

Und ich war sicher nicht das erste mal bei KAMA, das nächste Mal werde ich noch den afghanischen Kurs buchen!

Rauchiges Melanzanipüree

400 g Melanzani (2-3 kleine schmale Früchte)
5 EL Joghurt (3,5% Fett)
100 g Tahini
2 Knoblauchzehen
Salz
Tomaten, Zitronen und Petersilie für die Deko

Die Melanzani mit einem spitzen Messer rundherum einstechen. Eine Gasflamme am Herd anzünden und die Melanzani direkt auf der Flamme so lange rösten, bis sie aussehen wie verkohlte Holzstücke und innen ganz weich sind. In einer großen Schüssel mit kaltem Wasser abkühlen lassen. Die schwarze Haut von den Melanzani abziehen, den Stielansatzentfernen und die gehäuteten Früchte in eine Schüssel geben.

Das Joghurt und das Tahini dazugeben, die Knoblauchzehen dazu pressen. Alles zu einem Mus pürieren und mit Salz abschmecken.

Auf kleinen Tellern anrichten und mit Tomaten- und Zitronenstücken sowie Petersilie garnieren.

Tipp: im Kurs haben wir die Melanzani direkt auf dem Gas gegrillt. Wahrscheinlich geht das auch auf dem Griller zu Hause oder zur Not auch im Backrohr. Wichtig ist, dass die Haut wirklich unansehnlich wird und die Früchte butterweich sind. Wenn sie im Backrohr gebraten werden, bekommt das Mus aber leider kein Raucharoma.

Syrischer Salat

3 arabische Fladenbrote
1 1/2 romanische Salate oä. (halt ein grüner Salat mit etwas festeren Blättern)
3 Tomaten
1/2 Gurke
2 Zwiebeln
2 Zitronen
1/2 Bund Petersilie
Olivenöl, Granatapfelsirup
Salz
1/2 Granatapfel

Die Fladenbrote in mundgerechte Stücke schneiden, in heißem Fett braun frittieren und auf Küchenkrepp abtropfen lassen.

Den Salat, die Tomaten und die Gurke waschen. Den Salat in schmale Streifen schneiden, die Tomaten und die Gurke würfeln. Die Zwiebeln schälen und fein würfeln. Eine Zitronen abschälen, dass aber noch die weiße Haut knapp auf dem Fruchtfleisch stehen bleibt. Die Zitrone ebenfalls fein würfeln. Die Petersilie waschen und grob hacken.

Den Salat, die Tomaten-, Gurken-, Zwiebel-, Zitronenwürfel und Petersilie in einer Schüssel mischen. Die andere Zitronen auspressen und den Saft zum Salat geben. Mit Granatapfelsirup, Olivenöl und Salz abschmecken.

Die Kerne aus dem Granatapfel auslösen. Den Salat anrichten und mit den frittieren Brotstücken und dem Granatapfelkernen bestreuen.

Linsensuppe (Shorbat Adas)

325 g Linsen
2 große Zwiebeln
Hühnersuppenwürfel (für 1l)
1 Zitrone, Saft davon
Salz, Pfeffer, Kreuzkümmel
Olivenöl

Die Linsen in reichlich kaltes Wasser geben und kurz eingeweicht lassen. Dann gründlich in einem Sieb durchspülen und abtropfen lassen.

Die Zwiebeln grob hacken. In einem großen Topf nicht zu wenig Olivenöl heiß werden lassen und die Zwiebeln darin glasig dünsten. Die Linsen dazugeben, kurz durchrühren und mit 1l Wasser aufgießen. Die Suppenwürfel dazugeben.

Die Suppe aufkochen lassen, den entstehenden Schaum immer wieder von der Oberfläche abschöpfen. Die Suppe 1h kochen lassen. Wird die Suppe zu dick, noch ein wenig Wasser zufügen.

Am Ende der Kochzeit den Zitronensaft zugeben und die Suppe mit Salz abschmecken. Die Suppe mit frisch gemahlenem Pfeffer und Kreuzkümmel bestreuen und servieren.

Makluba mit Rindfleisch, Tomaten und Melanzani
Makluba ist ein arabisches Reisgericht, das so viel wie „umgestülpt“ bedeutet

1,25 kg Rindfleisch (Gulasch oder ähnliches)
1/2 TL Kardamom ganz
1/2 TL Zimt gemahlen
1,25 kg Melanzani (eher schlanke)
2 große Zwiebeln
2 Tomaten
1 kg Reis
Hühnersuppenwürfel für 1/2l
2 EL Butter
100 g Mandeln
Baharat (arabische Gewürzmischung)
eine Prise Salz

Das Rindfleisch in reichlich Wasser mit dem Kardamom und dem Zimt zum Kochen aufsetzen. Den Schaum, der sich bildet, immer wieder abschöpfen. Das Fleisch in rund 1h weich kochen, dann mit einem Schaumlöffel aus dem Kochwasser holen und dabei auch den Kardamom entfernen. In einer Schüssel beiseite stellen.

Die Melanzani schälen, in Scheiben von rund 2cm Dicke schneiden und mit Salz mischen. Die Scheiben portionsweise in reichlich Öl dunkelbraun frittieren und auf Küchenkrepp abtropfen lassen.

Die Zwiebeln schälen und diese sowie auch die Tomaten in fingerdicke Scheiben schneiden. Den Reis in kaltem Wasser kurz einweichen, ordentlich durchspülen und in einem Sieb abtropfen lassen.

In einem Topf Öl erhitzen und darin die Zwiebeln anbraten. Das Fleisch (ohne Saft) dazugeben und kräftig anrösten.

In einem großen breiten Topf den Boden großzügig mit Öl bedecken. Die Tomatenscheiben dicht an dicht flächig hineinschichten und die Melanzanischeiben in einer Schicht drüber legen. Darauf die angebratenen Zwiebeln und das Fleisch verteilen. Den abgetropften rohen Reis darauf schichten. Alles mit reichlich Pfeffer und Salz würzen und die Gewürze vorsichtig mit dem Reis mischen. Das Ganze vorsichtig (damit die Schichten sich nicht vermischen) mit 1,5l Wasser aufgießen, den Suppenwürfel zugeben. Den Saft vom Fleisch, der sich in der Schüssel gesammelt hat, ebenfalls zugeben.

Den Deckel auf den Topf setzen und zum Kochen bringen, dann so lange auf kleiner Flamme köcheln lassen, bis der Reis gar ist. Immer wieder kontrollieren, ob das Gericht nicht anbrennt, indem man in der Mitte vorsichtig mit einer Gabel ein Loch bohrt und den Wasserstand kontrolliert.

In der Zwischenzeit in einer kleinen Pfanne die Butter schmelzen und die Mandeln darin anrösten. Eine (oder auch zwei) Prisen Baharat und eine Prise Salz zugeben und gut durchrösten.

Wenn der Reis gar ist, wird das Makluba gestürzt. Dazu eine große Servierplatte auf den offenen Topf legen, alles umdrehen und auf der Arbeitsfläche abstellen. Mit einem Holzkochlöffel oder ähnlichem mehrmals auf den Topfboden klopfen, dann vorsichtig den Topf über dem Gericht abziehen.

Falls frittierte Melanzani übrig sind, diese rundherum für die Deko verwenden, die gebratenen Mandeln über die nun oben befindlichen Tomaten und das Fleisch streuen.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Wanderproviant

    Wir waren im Februar  in den französischen Alpen und da wird in allen Bäckereien die Tarte des Alpes angepriesen. Natürlich mussten wir die ausprobieren. Normalerweise gibt es sie in drei Geschmacksrichtungen: Marille (eher selten), Heidelbeer oder Himbeer. Wobei ich finde, dass die beiden letzteren am passendsten sind, weil ja Marille nicht wirklich regional in den Bergen…

  • |

    Dahoam

    Heuer habe ich ein bisschen ein Reisejahr, wie euch sicher schon aufgefallen ist. Aber zwischendurch genieße ich es auch, zu Hause und in den Bergen zu sein. Manche Menschen fühlen sich ja durch die Berge beengt, mir imponieren die riesigen Kalkwände immer wieder und der Anblick der Nordkette im Morgenlicht ist immer wieder atemberaubend schön….

  • |

    Arancini

    Vor einigen Jahren haben wir rund 10 Tage Ende des Jahres auf Sizilien verbracht. In Palermo habe ich Arancini kennen gelernt, die dort als Streetfood in vielen Varianten angeboten werden. Lange wollte ich sie schon nachkochen, nun habe ich ein wenig herumprobiert bis das Ergebnis gepasst hat. Gleich beim Ankommen in Palermo hatten wir damals…

  • | |

    Fische heiß geräuchert

    Heute möchte ich euch mal ein technisches Gerät vorstellen, das ich mir vor rund 2 Jahren angeschafft habe. Meine Freundin in Wien hatte mir davon erzählt: ein kleines metallschachtelartiges Gerät, mit dem man schnell und unkompliziert Fische heiß räuchern kann. So habe ich mich ein wenig umgesehen und in einem Fachgeschäft für Fischereibedarf (das lustigerweise…

  • |

    Zuckerreinkerlautonom!

    Auf Dienstreise in Kärnten freue ich mich schon immer sehr auf ein Zuckerreinkerl: Germteig mit Zimt-Zuckermischung innen und karamellisiertem Zucker außen. Original und frisch nur vor Ort erhältlich. Meist recherchiere ich schon vorher, wo es eine gute Bäckerei vor Ort gibt, damit ich auch wenn die Zeit knapp ist, die übliche Ration Zuckerreinkerl einkaufen kann….

  • |

    Vegetarische Paella

    Seit der Junior kein Fleisch mehr isst, haben auch wir unseren Fleischkonsum extrem zurückgeschraubt. Also beschäftige ich mich immer wieder mit vegetarischen Versionen von beliebten Gerichten – heute Paella. Ich habe einiges recherchiert, was andere Köche/Köchinnen so in ihrer vegetarischen Paella verkochen. Dabei wollte ich außerdem so regional und saisonal wie möglich bleiben. Der Basisgeschmack…

4 Kommentare

  1. Klingt sehr spannend … War bestimmt eine tolle Erfahrung und das Endergebnis sieht doch sehr gut aus!!! Liebe Grüße von Karo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.